Neuer wieder aus: urbig muss in bergamo zwischen die pfosten
Der FC Bayern reist ohne Manuel Neuer nach Italien. 45 Minuten nach seinem Comeback zerrte sich der Kapitän erneut die linke Wade. Jonas Urbig darf gegen Atalanta in die Fußstapfen des 39-Jährigen treten – und das nur 14 Monate, nachdem er für denselben Ersatzfall schon gegen Leverkusen glänzte.
Der faserriss, der nie ganz heilte
Die Diagnose klingt lapidar: „kleiner Muskelfaserriss“. Für Neuer ist sie der nächste Schlag gegen seine Uhr. Bereits Mitte Februar hatte ihn dieselbe Stelle lahmgelegt, nun riss es beim 4:1 gegen Gladbach in der 46. Minute erneut. Wer die Rückspiel-Bilder studiert, sieht, wie Neuer nach einem langen Ball zunächst schwankt, dann das Handtuch wirft. Kein Aufschrei, nur ein kurzer Blick zur Bank. Er wusste sofort: Vorbei.
Der Klub nennt keinen Zeitplan. Intern spricht man vorsichtig von „mindestens zwei Wochen“, was das Rückspiel am 18. März in München gefährden würde. Für einen Torwart, dessen Spielweise auf explosiven Absetz und 70-Meter-Sprints setzt, ist jede Wade ein Hochrisiko-Gebiet. Das Alter von 39 Jahren verschärft die Fragilität.

Urbig, der dauer-sub
Jonas Urbig wird am Dienstag (21.00 Uhr) zum zweiten Mal in dieser Saison die Champions-League-Bühne betreten. Beim 3:0 in Leverkusen im Achtelfinale 2024/25 stand er ebenfalls für Neuer ein, hielt dabei sieben Ballkontakte souverän fest. Die Statistik dahinter: Urbig kassierte in seinen bisherigen drei Pflichtspielen für Bayern nur ein Gegentor – Quote 0,33 pro Spiel. Neuer liegt in dieser Saison bei 0,9.
„Wir haben im Torwartteam so eine gute Konstellation, dass wir uns gegenseitig unterstützen“, sagt Urbig und klingt dabei wie ein erfahrener Routinier, obwohl er 17 Jahre jünger ist als der Mann, den er vertreten muss. Der Satz ist höflich, aber auch ein Stück Selbstbewusstsein: Im Winter sagte der Klub ein Leihgeschäft zu FC Köln ab, weil Urbig als Nummer zwei fest eingeplant war.

Die frage nach dem ende der ära
Neuer wird 40 am 27. März. Sein Vertrag läuft 2027 aus, doch die Verletzungsdichte beschleunigt die Diskussion um eine Nachfolge. Der Klub pflegt den Mythos des ewigen Keepers, die Realität liefert eine Wade, die sich alle vier Wochen entzündet. Intern hat die Medizinische Abteilung bereits ein Belastungsprofil erstellt: Wer in Neuer Alter mehr als zwei Spiele pro Woche bestreitet, riskiert Mikro-Traumata. Die Champions-League-K.o.-Phase ist genau dieses Programm.
Die Zahl, die Bayern-Boss Max Eberl beunruhigt: Seit seiner schweren Skiverletzung 2021 verpasste Neuer 79 Pflichtspiele. Das sind fast zwei komplette Bundesliga-Saisons. Jede weitere Rezidiv-Wade nährt die Sorge, dass der Rekordnationalspieler sich selbst überholt.
Für Bergamo reicht es noch nicht. Stattdessen wird Urbig hinter einer Viererkette stehen, die laut Vincent Kompany „verteidigen wird, als wäre sie ein Kollektiv von Neuer-Abspielern“. Ironie der Geschichte: Wenn Bayern nach Italien fliegt, bleibt ihre größte Stimme am Boden. Und niemand traut sich eine Prognose zu, wann sie wieder laut wird.
