Neuer schlussmann für hildesheim: conrad rückt von liga zwei auf drei ab
Der HC Eintracht Hildesheim schläft nicht. Nach dem Abstieg schraubt Sportchef Daniel Deutsch das Tor neu aus – und holt mit Nils Conrad einen 1,95-Meter-Hünen, der schon 62 Zweitliga-Partien auf dem Buckel hat.

Warum ein liga-absteiger auf ein upgrade setzt
Die Rechnung ist simpel: Erfahrung plus Jugend plus Größe ergibt Stabilität. Conrad, 2001 geboren, kommt vom VfL Lübeck-Schwartau, wo er zuletzt nur noch die Reservistenrolle spielte. In Hildesheim wird er mit Leon Krka ein Duo bilden, das laut Deutsch „die Rückrunde schon jetzt verunsichern soll“. Die Message ist klar: Der Klub will sofort wieder aufsteigen – und setzt dafür auf die stärkste Torhüter-Doppelspitze der Regionalliga.
Deutsch spricht vom „Fels in der Brandung“. Gemeint ist nicht nur die körperliche Präsenz, sondern auch die Ruhe, die Conrad ausstrahlt. Wer ihn in der Halle stehen sieht, erkennt sofort: Er belegt das Tor wie ein Eisfeld – kaum Lücken, viel Eis. Gegnerische Kreisläufer haben gegen ihn eine schlechte Ausbeute: 34 % gehaltene Bälle in der vergangenen Saison, bundesweit Spitzenwert unter Keepern mit mehr als 20 Einsätzen.
Die Verpflichtung passt in ein Muster. Innerhalb von vier Wochen hat Hildesheim bereits fünf Neuzugänge gemeldet, Budget ist offenbar vorhanden. Sponsoren wie die Volksbank Hildesheim haben länger gezögert, nach dem Abstieg zu springen – nun zeigen sie sich offen für neue Verträge. Der Grund: Ein Aufstieg 2025 würde die Marke wieder in die zweite Liga katapultieren, wo Fernsehgelder und größere Hallen locken.
Für Conrad ist der Schritt ein Karriere-Restart. Nach drei Jahren Bank bei Lübeck-Schwartau bekommt er endlich das, was jeder Keeper braucht: Spielzeit. 34 Partien hat er in der abgelaufenen Saison gemacht – meist nur, wenn der Stammkeeper verletzt war. Nun soll er mindestens 25 von 30 Spielen stehen. Bonusklauseln im Vertrag sichern ihm bei 70 % Einsatzzeit eine Aufstockung des Gehalts. Der Druck ist da, aber auch die Chance, sich als Top-Talent erneut zu profilieren.
Die Fans reagieren euphorisch. Bereits 350 Dauerkarten sind nach der Ankündigung verkauft – ein Plus von 40 % zum Vorjahr. Im Fan-Forum „Eintracht-Forum.de“ kursiert das Motto „Nils the Wall“, ein Spitzname, der an die legendären Keeperepen von Manchester United erinnert. Die Marketingabteilung plant bereits Fan-T-Shirts mit der Aufschrift „Conrad – unser letzter Halt“. Der Vorverkauf startet nächste Woche.
Ein Detail bleibt unterschätzt: Conrad bringt neben der Handballkarriere ein abgeschlossenes Sportmanagement-Studium mit. Er könnte künftig auch intern mitwirken – ein Gedanke, der Deutsch gefällt. „Wir wollen keine Einzelkämpfer, sondern Leute, die den Club verstehen“, sagt er. Das erinnert an frühere Erfolgsstorys wie die von Andreas Wolff, der in Kiel spielte und später dessen Sportdirektor wurde.
Die Liga hat reagiert. Der TBV Lemgo sprach intern von „Verstärkung auf dem Papier“, der VfL Oldenburg ortet „eine klare Kampfansage“. Die Tabelle der 3. Liga Nord-Ost ist noch leer, aber die Psyche der Konkurrenz schon beschädigt. Wenn Hildesheim am 31. August in der heimischen Kurpfalz-Halle eröffnet, wird genau hingeschaut: Steht Conrad wirklich so sicher wie ein Fels? Oder bebt der Boden doch?
Deutsch kündigt weitere Transfers an. Insider munkeln von einem isländischen Rückraum-Shooter und einem ehemaligen Bundesliga-Kreisläufer. Die Marschrichtung steht: Rückkehr in die zweite Liga innerhalb von 24 Monaten. Conrad ist nur der erste Stein – aber er könnte der wichtigste sein. Denn ohne sicheren Hüter gibt es kein Comeback. Und mit ihm vielleicht schon.
