Werders frauen scheitern im viertelfinale – pokal-glanzstunde wird albtraum

Die Uhr zeigte 92:14, als der letzte Bremer Kopf fiel. Statt Jubel gab es nur das trockene Pfeifen der Gästefans. Werders Fußballerinnen verpassten am Dienstagababnd beim 0:2 gegen Bayern München den Sprung ins Pokal-Halbfinale – und mit ihm das größte Finale der Klubgeschichte.

Trainerin Katja Greulich hatte vor dem Anpfiff noch von „unserem Tag“ gesprochen. Was folgte, war ein Lehrstück über Doppelformation und Nervenkraft. Die Grün-Weißen agierten mutig, aber auch anfällig. Schon nach elf Minuten nutzte Lea Schüller die erste Lücke, kurz vor der Pause erhöhte Lineth Beerensteyn per Konter. Die Bremer Presing war danach nur noch ein Fetzenpapier gegen Bayerns Ball-Umlauf.

Die statistik lügt nicht – und sie schmerzt

Elf Torschüsse, 32 Prozent Ballbesitz, null Großchancen. Die Zahlen spiegeln eine Realität, die sich die Elf vom Weserstadionselbst auferlegt hatte. „Wir wollten hoch verteidigen, aber die Räume haben wir nicht zugemacht“, sagte Kapitänin Rieke Dieckmann mit zitternder Stimme. Irem späten Freistoß klatschte noch an den Querbalken – mehr Pech als Hoffnung.

Das Aus schmerzt doppelt. Erstens, weil Werder mit dem Erreichten des Viertelfinals bereits 65 000 Euro Preisgeld kassiert hatte – Geld, das im Frauenbereich eine halbe Nachwuchsakademie finanziert. Zweitens, weil die Saison damit ihr letztes Highlight verliert. In der Frauen-Bundesliga steht der Klub auf Rang acht, sieben Punkte hinter dem internationalen Platz. Die Restprogramm-Luft wird dünn.

Abgang, analyse, aufbruch

Abgang, analyse, aufbruch

Die Entscheidung im DFB-Pokal fällt in eine Woche des Abschieds. Legendäre Pionierin Frauke Brüggemann wird nach 19 Jahren die Grün-Weißen verlassen – genau wie Teammanagerin Stephanie Klasen. Die sportliche Leitung muss nun klären, ob sie mit der jungen Garde um Emily Evels und Michelle Rühl weitermacht oder ob ein Neuanfang mit externem Schwung kommt.

Die Fans reagierten trotz Niederlage mit Standing Ovations. 12.847 Zuschauer, Rekord im Frauenpokal der Grün-Weißen. Doch Applaus ersetzt keine Pläne. Wenn Werder die eigene Nachwuchsarbeit nicht bald mit Ergebnissen in der ersten Mannschaft veredelt, wandern die Talente erneut nach München oder Wolfsburg ab. Die Bayern haben es vorgemacht: Mit konsequenter Investition in Spielerinnen unter 23 entstand der neue Serienmeister.

Die Saison ist nicht gerettet, nur verlängert. Am Samstag gastiert der 1. FC Köln an der Weser. Ein Sieg würde die Europacup-Chancen aufrechterhalten – ein weiteres Stolpern würde die Lehrgeld-Saison endgültig ad acta legen. Für Greulich steht eine Frage im Raum, die lauter ist als jedes Pfeifkonzert: Schafft sie den Spagat zwischen Aufbruch und Ergebnis, bevor der Vorstand die Richtung wechselt?