Neuer reißt sich wieder dieselbe wade – bayerns angst vor dem aus

Manuel Neuer humpelte schon in der Kabine, da wusste jeder: Das war keine simple Muskelkater. Der Rekordmeister bestätigte am Samstagnachmittag den Verdacht – Muskelfaserriss links, Atlanta in Gefahr, Saison vielleicht auch.

Der 39-Jährige hatte gerade mal 45 Minuten gegen Gladbach gestemmt, sein Comeback nach dem letzten Faserriss – an derselben Stelle. Drei Wochen Pause, ein halbes Spiel, jetzt wieder Rumms. Die Bayern nennen es „klein“, klingt wie ein Scherz, wenn man weiß, dass Neuer seit 2022 an dieser Wade ständig rubbelt.

Die angst vor dem dominoeffekt

Die angst vor dem dominoeffekt

Vincent Kompany stand nach Abpfiff vor der Kamera, sprach von „Karriereplanung“ und „vorsichtiger Steuerung“. Dahinter lauert die große Frage: Lohnt es sich überhaupt noch, den Kapitän jedes Mal zurückzupuzzeln, wenn das Gewebe eh wieder reißt? Jonas Urbig, 21, stand schon zweimal zur Pause bereit – ein Neuer-Anwärter, der nun vor der Königsklasse das Tor hütet.

Die Zahlen sind hart: Seenzig Prozent der Muskelfaserrisse rekridivieren, wenn der Athlet über 35 ist. Neuer ist 39, spielt jeden Samstag wie ein Finale gegen die eigene Zukunft. Die medizinische Abteilung hatte Extra-Trainingspausen eingebaut, Muskelketten getestet, sogar die Schuhe angepasst. Nichts half.

Atlanta wartet am Dienstag mit Ademola Lookman und Gianluca Scamacca – zwei Sprintern, die auf jeden langen Ball lauern. Urbig bekam gegen Gladbach noch Applaus, doch Champions-League-Druck ist ein anderes Kapitel. Kompany wird vor dem Flug nach Bergamo ein Schreiben auf den Schoß bekommen: Neuer fällt aus, Einsatz offen. Kein „wahrscheinlich“, kein „wenn“, nur ein leeres Kästchen.

Die Kabine reagierte mit betonharter Routine. Joshua Kimmich sagte: „Wir haben genug Qualität.“ Thomas Müller lächelte, aber seine Augen wanderten immer wieder zur leeren Hütte am Spielfeldrand, in der sonst Neuers Klamotten hängen. Dort steht jetzt ein leerer Stuhl – Symbolbild einer Ära, die abrutscht.

Bayernkönnte in dieser Saison erstmals seit zwölf Jahren ohne ihren Titanen eine Trophäe holen. Oder eben auch nicht. Die Offensive schießt weiter Tore wie am Fließband, aber hinten fehlt der Mann, der früher mit Fingerspitzen ganze Halbserien rettete. Die Frage ist nicht mehr, ob Neuer zurückkommt, sondern: Wie viele Comebacks verträgt ein Körper, der schon alles gewonnen hat?

Die Antwort lautet: Keins mehr, wenn die Wade beim nächsten Sprint wieder kapituliert.