Nawrath verpasst den krimi-sieg – deutschlands biathlon-saison endet ohne ein einziges mal gold

3,7 Sekunden. So knapp schlug Johan-Olav Botn in Oslo Philipp Nawrath, der mit viermal Null am Schießstand alles rausholte, was an diesem Sonntag drin war. Platz zwei – und damit das beste deutsche Einzelergebnis eines Winters, der in der Statistik als erstmals sieglos seit 1987/88 eingehen wird.

Der schuss ging nach hinten los

Janina Hettich-Walz schien auf dem Weg ins Podest, bis sie im letzten Anschlag zwei Mal danebenlegte. Zehnter Platz – ein kleines Drama, das die deutsche Frauen-Nullrunde besiegelte. Lisa Vittozzi jubelte, die Deutschen zählten: 69 Rennen, neun Podeste, kein Triumph. Die Zahlen sind so hart wie das Oslo-Eis.

Doch zwischen den Zeilen schwingt ein Fünkchen Hoffnung. Nawrath lieferte sich mit Botn ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das bewies: Die Geschwindigkeit stimmt, die Nerven auch. Nur die letzten Meter fehlten. „Es ist eine Wohltuend“, sagte er im ZDF – kein Sieger, aber auch kein Beschwerdeführer.

Was der neue sportdirektor jetzt stemmen muss

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Bernd Eisenbichler tritt die Nachfolge von Felix Bitterling an und erbt eine Mannschaft, die zwar läuft und trifft, aber nicht gewinnt. Die Analyse läuft, heißt es. Fakt ist: Mixed-Bronze von Mailand bleibt die einzige Medaille bei der Premiere der Olympia-Disziplin. Kein Einzelsieg wirkt wie ein Handbremsgriff im Rennen um Sponsoren und TV-Minuten.

Die Saison ist vorbei, die Bilanz steht. Wer zählt, der weiß: Deutschland muss seinen Biathlon wieder auf Kurs bringen, bevor der nächste Winter die nächste Nullnummer schreibt. Nawraths 3,7 Sekunden sind ein Vorsprung, den niemand mehr verschenken darf.