Nagelsmann zieht nach dem 4:3-spektakel die nächste gala-karte: nübel vs. ghana

Julian Nagelsmann will vom 4:3-Festival gegen die Schweiz lernen, nicht leiden. Deshalb rotiert der Bundestrainer nur da, wo er muss – und macht Alexander Nübel zum heimlichen Hauptdarsteller des zweiten WM-Tests.

Baumann hat den koffer, nübel bekommt die bühne

Oliver Baumann ist als Nummer eins fürs Turnier in den USA gebucht, doch am Montag (20.45 Uhr/ARD) steht der VfB-Keeper im Mittelpunkt. Vor 60 000 Fans in Stuttgart erhält Nübel sein drittes Länderspiel – und die Chance, sich als Krisenversicherer in Szene zu setzen. Die Botschaft: Wer in der Vorbereitung glänzt, darf auch im Kader strahlen.

Hinten bleibt die Nagelsmann-Chefetage stabil. Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Raum – die Viererkette, die in Basel zwischen Genie und Wahnsinn schwankte, bekommt Vertrauenskredit Nummer zwei. Der Bundestrainer will bis Juni automatisierte Abläufe, keine Experimente. Die Statistik spricht für ihn: Bei drei Gegentoren aus Halbchancen haperte es an der Abstimmung, nicht an der Besetzung.

Mittelfeld-poker: stiller raus, stach oder groß drin

Mittelfeld-poker: stiller raus, stach oder groß drin

Angelo Stiller durfte gegen die Schweiz mitschwingen, doch nun droht der Reset. Anton Stach (Leeds) und Pascal Groß (Brighton) buhlen um den defensiven Kompass neben Leon Goretzka. Groß bringt Bundesliga-Routine, Stach englische Intensität – Nagelsmann entscheidet erst nach dem Abschlusstraining.

Vorne läuft der Florian-Wirtz-Dauerbrenner. Der 22-Jährige liefert keine Tore mehr, sondern Erlebnisse. Rechts tobt sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen aus: Lennart Karl, der Jungspund, der die Schweiz mit schieren Selbstvertrauen demolierte, oder Leroy Sané, der Profi, der nach seiner Gala-Leihe aus Istanbul endlich Dauerlösung statt Einwechsel-Torpedo sein will. Nagelsmann kündigte Sané „die nächste Chance“ an – ein Satz, der klingt wie ein Versprechen und eine Warnung zugleich.

Havertz spielt sich warm, undav wartet

Havertz spielt sich warm, undav wartet

Kai Havertz genießt Startelf-Privileg, weil seine Laufwege wie Schachzüge wirken. Deniz Undav muss sich mit der Joker-Rolle begnügen – ein Schicksal, das Stuttgart liebt und der Stürmer hasst. Die Zahlen? Havertz traf in seinen letzten fünf Länderspielen dreimal, Undav bereitete in 112 Minuten zwei Tore vor. Effizienz gegen Emotion – ein kleiner Krieg innerhalb des großen Spiels.

Ghana reist mit Ayew-Präsenz und Europa-Blut. Jordan Ayew, 116 Länderspiele, 34 Jahre, soll die deutsche Abwehr aus der Reserve locken. Ihm zur Seite steht Thomas Partey, der spanische Poker-König, der in Villarreal wieder zu alter Stärke fand. Die Black Stars gelten als athletischer Prüfstein – genau die Art von Praxis, die Nagelsmann sucht, bevor es nach Amerika geht.

Schiedsrichter Stuart Attwell pfeift, 28 Grad erwartet, und die DFB-Elf spielt sich ein letztes Mal in heimischer Atmosphäre ein. Die Botschaft ist klar: Wer heute glänzt, fliegt im Juni. Wer patzt, fliegt raus. Und morgen liest die Nation die Personalien auf dem WM-Flieger – ohne Rückflugticket für Zögler.