Nagelsmann probt den wm-knall: schweiz wird zur generalprobe für den usa-traum
Julian Nagelsmann schickt seine beste Elf ins Basler St.-Jakob-Park. 20.45 Uhr, 31 500 Zuschauer, ein einziger Gedanke: Die WM in Nordamerika rückt näher, und der Bundestrainer will wissen, ob sein Kader schon klargeht oder ob noch Hand angelegt werden muss.
Die Aufstellung ist kein Geheimnis mehr: Baumann im Tor, Kimmich als Rechtsverteidiger, vorne Havertz als falsche Neun. Dahinter das tänzelnde Trio Sané-Gnabry-Wirtz, dazu Goretzka und Stiller als Doppelsechs. Tah und Schlotterbeck sperren die Mitte, Raum rückt links auf. Kein Experiment, sondern die erste Zeile des Kaders, die Nagelsmann im Kopf trägt, wenn er an den 15. Juni in Dallas denkt.

Warum basel heute mehr ist als ein freundschaftsspiel
Die Schweiz ist kein williger Sparringspartner. Murat Yakin bringt seine EM-Formation, Akanji schirmt die Abwehr ab, Xhaka lenkt das Spiel. Wer hier nicht steht, fliegt im Sommer aus dem Flugzeug Richtung USA. Das weiß auch Leon Goretzka, der nach seiner Bayern-Auszeit wieder angreifen will. Und Florian Wirtz, der nach Kreuzband und Corona-Frust endlich den Beweis liefern will, dass er der Dreh- und Angelpunkt werden kann, den Nagelsmann sich wünscht.
Die Zahl, die in der DFB-Zentrale die Runde macht: 72 Tage bis zum Auftakt gegen Schottland in München. Drei Länderspiele sind noch drin, dann muss der Kader stehen. „Wir messen Temposkalen, Herzfrequenz, Passquote – aber wir messen auch Charakter“, sagt Assistenzcoach Sandro Wagner. Gegen die Schweiz bekommt er Daten geliefert, die kein Laptop liefert: Wer tritt zurück, wer schreit sich frei, wer tritt das runde Leder mit der nötigen Bosheit in den Netzkontakt.
Die letzte Warnung kam aus der Kabine. Kapitän Kimmich, sonst eher der Leisetreter, polterte: „Wenn wir hier nur 70 Prozent geben, fliegen wir im Sommer auf die Schnauze.“ Die Botschaft ist angekommen. Die Uhr tickt. Und Basel wird zum Seismografen der deutschen Fußball-Seele.
Um 22.30 Uhr wissen wir mehr. Entweder ist die Maschine in Schwung, oder Nagelsmann muss umplanen. Die Schweiz wartet mit dem Messer zwischen den Zähnen. Deutschland antwortet mit der Startaufstellung, die schon jetzt wie ein Versprechen wirkt: Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen dort gewinnen. Die WM beginnt heute. In Basel. Ganz leise, aber mit höchstem Einsatz.
