Nach 46 jahren stoppt pesic: bayern-coach legt endgültig ab

Svetislav Pesic hat seinen Abschied eingeläutet – und diesmal meint er es ernst. „Nach dieser Saison reicht es nun wirklich“, sagt der 76-jährige Serben-General, der den FC Bayern seit Dezember wieder lenkt. Die Rede ist von einem Karriereende nach 46 Jahren am Spielfeldrand, vierzig davon auf höchstem Niveau, mit Titeln in Belgrad, Berlin, Barcelona und München.

Die nacht in athen, in der er sich selbst fragte: „bist du verrückt?“

Es war ein Januar-Morgen im Hotelzimmer, EuroLeague-Spieltag, Gegner Olympiakos. Pesic starrte auf die taktischen Skizzen, plötzlich wurde ihm schwindlig. „Was machst du eigentlich hier? Du bist bald 77 und immer noch Trainer. Die 90 schaffst du noch, das sind noch 13 Jahre. Schluss, hör endlich auf!“ Diese innere Stimme ließ ihn nicht mehr los, erzählt er der Zeit. Seit diesem Moment wusste er: Die zweite Bayern-Amtszeit wird die letzte sein.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 1.700 Pflichtspiele, 23 nationale Titel, ein Europacup-Sieg 1992 mit Jugoslawien, der EM-Triumph 1993 mit Deutschland. Doch selbst Rekordmeister weichen irgendwann. In der laufenden Bundesliga führt der Klub mit 44:8 Punkten, in der EuroLeague wird es ohne Playoff-Teilnahme enden, im Pokal war schon im Halbfinale Schluss. Für Pesic reicht das, um sich selbst nicht mehr zu belügen.

Die Spieler reagierten mit Respekt statt Trauer. „Er hat uns wieder auf Kurs gebracht, aber er hat auch ein Recht auf Schlaf“, sagt Kapitän Nick Weiler-Babb. Nationalspieler Andreas Obst ergänzt: „Wir wollten ihm die Playoffs schenken. Jetzt wird der Titel zur Pflicht.“

Barcelona, pirot, familie – ein leben nach der bank

Barcelona, pirot, familie – ein leben nach der bank

Pesic will keine neue Mannschaft mehr übernehmen. Stattdessen plant er Coach-Kurse, Vorträge, Reisen zwischen seiner Wahlheimat Barcelona und Pirot in Serbien, wo er einst als Kind mit einem selbstgenähten Ball auf staubigen Plätzen dribbelte. „Ich werde immer im Basketball aktiv sein, aber nicht mehr als Cheftrainer bis zum Ende meines Lebens“, sagt er und lacht – diesmal ohne den berüchtigten scharfen Unterton, sondern mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass das letzte Buzzer-Bevorsteht.

Die Nachfolge ist offen. Die Bayern-Führung um Sportdirektor Marko Pešić – sein Sohn – schweigt bislang zu konkreten Namen. Intern kursieren Optionen von Bundesliga-Erfahrenen wie Aito García Reneses bis zur Eigenlösung mit Assistant Denys Wahl. Eines steht fest: Wer auch immer kommt, muss ohne den Patriarchen auskommen, der den deutschen Basketball geprägt hat wie kein Zweiter.

Die Liga verliert ihren ältesten aktiven Coach, der zuletzt mit Trainingsjacken über der weißen Hemdbluse und mit markanter Brille an der Seitenlinie stand. Die Ära Pesic endet mit dem Sommer 2026 – 13 Jahre, bevor er 90 wird, genau wie er es selbst prophezeit hat.