Murphy: allein auf dem platz – die mentale hürde im spitzensport
Paris – Der Schock sitzt tief im Tennis. Jannik Sinner, Weltranglistenerster, scheiterte überraschend bei den French Open. Ein Gefühl, das Snooker-Star Shaun Murphy nur zu gut kennt. Der Engländer, selbst vielfacher Champion, sieht Parallelen zwischen seinem Sport und dem Tennis, insbesondere in der immensen mentalen Belastung.

Die last der erwartungen: wenn der gegner im kopf sitzt
Murphy, der 2005 Snooker-Weltmeister wurde und zahlreiche weitere Titel in seiner Karriere errang, erklärt, dass die körperliche Anstrengung zwar unterschiedlich sei, doch die Isolation auf dem Spielfeld eine Konstante darstelle. „Da bist du wirklich ganz auf dich allein gestellt“, sagt Murphy im Gespräch mit TNT Sports. „Nur du und deine Gedanken – und das kann das Spiel komplett verändern.“
Die Niederlage Sinner’s gegen Juan Manuel Cherúndolo kam für viele überraschend. Der Argentinier nutzte die Hitze und die zunehmende Nervosität des Favoriten geschickt aus. Murphy beobachtete, wie sich Sinner’s Spiel verschlechterte, was dem Gegner natürlich Auftrieb gab. „Ich werde Jannik Sinner nicht kritisieren, das wäre lächerlich“, betont Murphy, „aber man konnte sehen, wie sein Spiel anfing, sich zu verschlechtern.“
Die mentale Stärke spielt in beiden Sportarten eine entscheidende Rolle. Murphy beschreibt es so: „Du hast diese Dämonen im Kopf. Wenn du einen Schlag verpasst, denkst du: Oh, das hätte ich nicht tun sollen. Und dann verpasst du noch einen.“ Es ist ein Teufelskreis, aus dem es schwer herauszukommen ist. Sinner führte gegen Cherúndolo bereits komfortabel mit 6:3, 6:2, 5:1, brach dann aber zusammen und konnte sich nicht mehr erholen.
Wie im Snooker, wo die großen Duelle selten vorkommen – „drei, vier Mal im Jahr höchstens“ – ist es im Tennis schwer, im entscheidenden Moment sein Bestes zu zeigen. Wimbledon bietet Sinner die nächste Chance, sich zu beweisen. Ob er die mentale Hürde überwinden kann, bleibt abzuwarten. Die Erinnerung an Paris wird ihn jedoch begleiten – ein eindringlicher Beweis dafür, dass selbst der beste Athlet allein im Rampenlicht stehen und seinen inneren Gegner bezwingen muss.
