Kunst und kultur: der schlüssel zu ewiger jugend?

Die Nachrichten aus London sind überraschend: Ein neues Forschungsergebnis der University College London legt nahe, dass der Besuch von Museen, Theateraufführungen und das aktive Ausleben künstlerischer Neigungen den Alterungsprozess verlangsamen kann – und das in ähnlichem Maße wie regelmäßige Bewegung! Wer hätte gedacht, dass Leonardo da Vinci und Chopin uns jünger halten könnten?

Epigenetische uhren ticken langsamer

Epigenetische uhren ticken langsamer

Die Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Innovation in Aging, analysierte die Daten von 3.556 Briten im Durchschnittsalter von 52 Jahren. Forscher verglichen die kulturellen Aktivitäten der Teilnehmer mit Veränderungen in ihrer DNA, die den biologischen Alterungsprozess widerspiegeln. Das Ergebnis: Wer regelmäßig an kulturellen Veranstaltungen teilnahm und dabei eine gewisse Vielfalt bewies, zeigte eine verlangsamte Alterung und ein jüngeres biologisches Alter.

Die Wissenschaftler nutzten sogenannte „epigenetische Uhren“ – hochentwickelte Instrumente, die altersbedingte Veränderungen im DNA-Code messen, ähnlich wie eine Blutuntersuchung den Cholesterinspiegel erfasst. Die neuen Generationen dieser Uhren, die speziell darauf ausgelegt sind, die Geschwindigkeit des Alterungsprozesses zu bestimmen, zeigten, dass die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten mindestens dreimal jährlich zu einer 2%igen Verlangsamung des Alterungsprozesses führt. Monatliche Besuche steigerten den Vorteil auf 3%, wöchentliche auf beeindruckende 4% – ein Wert, der exakt dem Vorteil entspricht, den regelmäßige körperliche Aktivität bringt.

Die Vielfalt macht den Unterschied: Es kommt nicht nur auf die Häufigkeit an, sondern auch auf die Art der kulturellen Aktivitäten. Singen, Fotografieren, Malen, Theaterbesuche, Museumsbesuche oder der Besuch historischer Stätten – jede Aktivität scheint auf ihre eigene Weise zur Gesundheit beizutragen. „Jede Aktivität bietet unterschiedliche Vorteile, wie die Stimulation von Körper, Geist, Emotionen oder soziale Interaktion“, erklärt Daisy Fancourt, die Hauptautorin der Studie.

Die positiven Effekte sind besonders bei Erwachsenen ab 40 Jahren ausgeprägt und bleiben auch dann bestehen, wenn Faktoren wie Gewicht, Bildung, Einkommen und Rauchgewohnheiten berücksichtigt werden. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Musik das Aktivitätsniveau bestimmter Gene beeinflussen kann, die mit Dopamin und Entzündungen in Verbindung stehen. Diese neue Studie liefert den ersten groß angelegten Beweis dafür, dass kulturelles Engagement tatsächlich das molekulare Altern verlangsamen kann.

Feifei Bu, Mitautorin der Forschung, plädiert daher dafür, die Teilnahme an kulturellen Aktivitäten als eigenständiges, gesundheitsförderndes Verhalten zu betrachten – „etwas Wesentliches, wie wir 10.000 Schritte pro Tag oder fünf Portionen Obst und Gemüse fördern.“

Das Ergebnis ist klar: Wer seine Seele füttert, tut auch seinem Körper etwas Gutes. Wer hätte gedacht, dass ein Besuch in der Oper oder ein Abend im Theater die gleichen positiven Auswirkungen haben kann wie ein Besuch im Fitnessstudio?