Kimmichs ehrlichkeit: das deutsche team räumt mit alten dämonen auf?
Herzogenaurach – Joshua Kimmich hat im DFB-Trainingslager die Karten auf den Tisch gelegt: Das deutsche Nationalteam blickt selbstkritisch auf vergangene Turnierpleiten zurück und scheint endlich die Ursachen erkannt zu haben. Der Kapitän sprach offen über die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die in den Jahren 2018, 2022 und 2024 zu Enttäuschungen geführt hat.
Selbstreflexion statt selbstüberschätzung
„Ich habe das Gefühl, dass jeder bei uns im Kader weiß, was wir können, was wir nicht können und was jeder einbringen muss, damit es erfolgreich werden wird“, erklärte Kimmich in der Pressekonferenz. Das klingt nach einer radikalen Abkehr von der Vergangenheit, in der das DFB-Team oftmals mit einer übertriebenen Selbstsicherheit in Turniere ging. Die bittere Realität: Scheitern in der Gruppenphase in Russland 2018 und Katar 2022, ein schmerzhafter K.O. im Viertelfinale der Heim-EM 2024 gegen Spanien. Das Echo war vernichtend.
Kimmich sprach es deutlich aus: „Da haben wir immer viel über Potenzial gesprochen, haben es aber nicht auf den Platz gekriegt.“ Eine Diagnose, die viele Fans und Experten bereits seit Jahren beklagen. Die Inflation des Potentials, die nie in greifbare Erfolge mündete.

Weniger worte, mehr taten – kimmichs forderung
Der Bayern-Star hat eine klare Vision für die anstehende WM: „Ich glaube, jetzt sollten wir einfach ein bisschen weniger darüber sprechen, ein bisschen mehr machen. Und dann können wir auch ein paar Spiele gewinnen.“ Ein Aufruf zur Bescheidenheit und zur Fokussierung auf die Leistung. Ein Umdenken, das überfällig war.
Doch Kimmichs Realismus ist ebenso beeindruckend wie seine Selbstkritik. Er ordnete Deutschland im internationalen Vergleich bewusst hinter Spanien, Frankreich und Portugal ein. „Wichtig ist, dass wir ein Mindset haben, dass wir wissen, dass wir jeden schlagen können“, betonte er. „Und das können wir definitiv.“ Ein Mindset, das auf harter Arbeit und kontinuierlicher Verbesserung basiert, nicht auf leeren Versprechungen.
Die Erinnerungen an Bastian Schweinsteiger, der einst betonte, wie wichtig die richtige Mischung und die innere Stärke sind, scheinen bei Kimmich und dem aktuellen Team Anklang zu finden. Schweinsteiger‘ Appell, sich auf eine stabile Achse zu konzentrieren, könnte der Schlüssel zum Erfolg sein. Auch die kleinen Glücksbringer, wie Wirtz‘ Schuhsohle, können vielleicht nicht schaden, aber entscheidend ist das Kollektiv.
Die kommenden Testspiele gegen Finnland und die USA bieten die Chance, diese neuen Ansätze zu untermauern. Es bleibt abzuwarten, ob Kimmichs Wortbruch gelingt und das deutsche Team endlich die Lücke zwischen Anspruch und Realität schließt. Denn eines ist klar: Reden ist gut, aber am Ende zählt nur das Ergebnis auf dem Platz.
