Müller knallt die latte, vancouver kassiert k.o.-vorsprung

0:3 in Seattle, 90 Minuten auf dem Rasen und in der Nachspielzeit ein Volley gegen den Querbalken – Thomas Müller erlebte in der Nacht auf Freitag die bittere Fußball-Nacht seines Lebens in Nordamerika.

Seine Vancouver Whitecaps drohen im Achtelfinale der CONCACAF Champions Cup auszuscheiden. Die Sounders schossen früh die Führung heraus, Paul Arriola erhöhte vor der Pause und nach der Pause, Paul Rothrock machte in der 70. Minute den Deckel drauf. Müller spielte durch, blieb aber glücklos. Kurz vor Schluss jagte er den Ball aus 14 Metern an die Unterkante der Latte – der Ausgleich, das 1:3, wäre das Minimum gewesen.

Müller nach schlusspfiff: „noch ist halbzeit“

Die Kameraeinstellung zeigte ihn mit hängender Schulter, aber dem Blick eines Mannes, der noch nicht aufgegeben hat. „Wir sind noch nicht fertig. Drei Tore Rückstand ist scheiße, aber nicht unmöglich“, sagte er beim Streamingdienst OneSoccer. Die Ansage ging durch die sozialen Kanäle der Whitecaps wie ein Startschuss für das Rückspiel am kommenden Donnerstag (4.00 Uhr MESZ).

Sein Trainer entschied sich für dieselbe Startformation, die zuvor drei Siege in der MLS geholt hatte. Doch Seattle spielte das Pressing schneller, die Räume enger und nutzte jeden Ballverlust der Gäste sofort. Die Statistik: 14:4 Torschüsse, 62 Prozent Ballbesitz für die Sounders – Zahlen, die Vancouver in Kanada schmerzen werden.

Frische tore in der liga, alte rechnung in seattle

Frische tore in der liga, alte rechnung in seattle

Müller selbst steht in der MLS bei zwei Treffern, beide Tore halfen seinem Klub auf Platz zwei der Western Conference. Doch der internationale Pokal folgt anderen Gesetzen. Die Geschwindigkeit ist höher, die Lücken kleiner, und die Gegner kennen die Schwächen der Importstars genau. Seattle ließ Müller zwischen den Linien kaum Luft, stellte ihn mit Doppeldeckung und schob die Kette früh auf ihn zu.

Die Rechnung ist dennoch klar: Wer in der Champions League dieser Region ohne Auswärtstor dasteht, muss zu Hause mindestens vier Mal einschlagen – oder früh zuschlagen und die Nerven behalten. Vancouver hat in den letzten fünf Heimspielen 13 Tore erzielt, kassierte aber auch sechs. Offensiv stark, defensiv anfällig – genau das Gegenteil von dem, was in der Liga funktionierte.

März wird zur schicksalswoche

März wird zur schicksalswoche

Am Sonntag empfangen die Whitecaps Minnesota United, drei Tage später folgt das Rückspiel in Seattle. Dann haben sie nichts mehr zu verlieren. Müller wird wieder durchlaufen, die Fankurve wird ihn tragen, und die Kanadier hoffen auf den frühen Treffer, der die Sounders nervös macht.

Danach wartet schon das nächste Highlight: am 22. März kommt mit San Jose Earthquakes Timo Werner in die Provinz British Columbia. Zwei deutsche Weltmeister, ein Rasen, ein Stadion – und vielleicht ein Duell, das nur dann stattfindet, wenn Müller vorher den Drei-Tore-Rückstand noch gedreht hat. Sonst bleibt nur die Liga, die Tore und die Erkenntnis, dass auch in Kanada die K.o.-Phase gnadenlos ist.