Motogp-kalender wackelt: katar droht zu fallen, adelaide übernimmt

Der Nahe Osten hält die MotoGP in Atem. Das Rennen in Katar vom 10. bis 12. April auf dem Losail Circuit steht wegen der eskalierenden Spannungen rund um den Iran auf der Kippe – und niemand bei MotoGP Sport Entertainment SI, der neuen Firmenhülle der früheren Dorna Sports, will das offiziell bestätigen. Aber die Signale sind unmissverständlich.

Katar und der schatten des krieges

Losail liegt mitten in einer Region, die von Luftsperrgebieten und erhöhten Sicherheitsstufen betroffen ist. Eine offizielle Entscheidung gibt es noch nicht. Was jedoch feststeht: Sollte das Rennen nicht stattfinden können, wird es keinen Ersatzkurs geben. Stattdessen denkt man über eine Verschiebung nach hinten im Kalender nach. Das klingt nach Pragmatismus, ist aber in Wirklichkeit ein logistischer Alptraum für Teams, Sponsoren und Broadcaster.

Die Saison hat gerade erst in Thailand begonnen – 28. Februar bis 1. März – und schon jetzt steht der vierte Saisonlauf unter einem schlechten Stern. Brasilien (20.–22. März) und die USA (27.–29. März) kommen davor. Der Rhythmus der Meisterschaft könnte früh aus dem Takt geraten.

Liberty media baut die motogp nach eigenem geschmack um

Liberty media baut die motogp nach eigenem geschmack um

Hinter den Kulissen läuft derweil eine andere Baustelle auf Hochtouren. Liberty Media, seit Juli 2025 mit 84 Prozent an Dorna beteiligt und damit klarer Mehrheitseigner, drückt aufs Tempo. Die Amerikaner wollen eine MotoGP, die weniger nach Europa riecht und mehr nach globalem Entertainment-Produkt. Musik, Shows, ein aufgepepptes Rennwochenende – das Publikum, das man anpeilen will, kennt die Fahrer oft nicht mal dem Namen nach.

Das ist keine Kritik, das ist die erklärte Strategie. Und sie hat bereits konkrete Konsequenzen.

Adelaide statt phillip island – ein traditionsbruch mit ansage

Adelaide statt phillip island – ein traditionsbruch mit ansage

Ab 2027 wird der Australien-GP nicht mehr auf dem legendären Phillip Island ausgetragen, sondern auf einem Stadtkurs in Adelaide. Ein Straßenkurs in der MotoGP – das ist eine Kategorie, die nach dem Tod von Angelo Bergamonti 1971 in Riccione aus dem Kalender verschwand. Bergamonti, Teamkollege von Giacomo Agostini bei MV Agusta, bezahlte das Stadtrennen mit dem Leben. Seitdem galt die Typologie als Tabu. Liberty Media hebt dieses Tabu auf. Und das nicht leise.

Der Plan geht noch weiter: Adelaide soll ab November 2027 das Saisonfinale übernehmen. Schluss mit Valencia als letzter Station einer über zwei Jahrzehnte gewachsenen Tradition. Der Ricardo-Tormo-Kurs hat seinen Vertrag bis Ende 2031 – er wird nicht gestrichen, sondern in die Saisonmitte verschoben. Ein Abstieg, verpackt als Neupositionierung.

Spanien verliert, argentinien wartet

Spanien verliert, argentinien wartet

Vier Spanien-Rennen stehen aktuell im Kalender 2026: Jerez, Barcelona, Aragón und Valencia. Liberty Media will diese Dominanz aufbrechen. MotorLand Aragón gilt als Kandidat für die Streichliste – nicht weil die Strecke schlecht ist, sondern weil sie einen Slot freimachen würde. Das Limit liegt bei 22 Grands Prix pro Saison.

Dieser Slot könnte an Argentinien gehen. Termas de Río Hondo hat seit Jahren Probleme – wirtschaftliche, organisatorische, infrastrukturelle. Das schreckt Liberty Media offenbar nicht. Für sie zählt die geografische Botschaft: Südamerika statt Iberische Halbinsel. Wachstumsmärkte statt gesättigter Märkte.

Die MotoGP, wie sie war, existiert bereits nicht mehr. Was kommt, wird lauter, bunter und amerikanischer sein. Phillip Island wird das als erstes zu spüren bekommen.