Mislintat wettet auf anfang – drei punkte halten düsseldorf am atmen

Markus Anfang bleibt, obwohl die Fortura nur drei Zähler über dem Abstiegsplatz klebt. Sven Mislintat nennt das «konsequent», andere nennen es einfach «Poker».

Die entscheidung, die keiner erwartete

Alles schrie nach Trennung. Drei Siege aus 14 Partien, ein 2:5 gegen Hertha, die Kurve pöbelt, die Lüfte brennen. Doch Mislintat drückt auf «Pause». Er sagt: «Zehn Tage Vorbereitung reichen nicht, um wieder alles zu sprengen.» Ein Satz, der in jedem anderen Klub als Bankrotterklärung klingen würde – in Düsseldorf ist er Programm.

Der neue Sportvorstand zog sich mit seinem Laptop zurück, startete die Trendanalyse, sah Kurven statt Krisen. «Es wurde besser, nur eben nicht schnell genug für die Außenwelt», erklärt er im Gespräch mit transfermarkt.de. Die Welt draußen feuert lieber Köpfe, Mislintat feuert Daten.

Tanaka statt trennung

Tanaka statt trennung

Statt einen neuen Übungsleiter zu präsentieren, stellte er Satoshi Tanaka im Aufsichtsratssaal auf. Japanischer Ballverteiler, Durchschnittsnote 2,90, plötzlich unverzichtbar. «Absolute Pflichtverpflichtung», sagt Mislintat und klingt dabei wie ein Auto-CEO, der einen Hybriden vorstellt. Seit Spieltag 18 stand Tanaka durch, nur zweimal musste er in der Nachspielzeit raus. Die Mitte wurde stabiler, das Spiel langsamer, die Niederlagen blieben. Trotzdem glaubt Mislintat an den Mann, den alle schon abgeschrieben hatten.

Die Gründe für den Fehlstart sieht er woanders: «Viele Zugänge brauchten Zeit, viele Knochen Heilung.» Dazu kam der Imageschaden. Anfang trägt immer noch die Fußfesseln von Causa Dresden: zweimal Covid-Ausbruch, zweimal fragwürdige Testmethoden, ein Image als «Unruhestifter». Mislintat wischt das weg wie Kalk auf der Schulter: «Das war kein Trainerthema, das war ein Klub-Thema.»

Der endspurt ist der zerreißtest

Der endspurt ist der zerreißtest

Nun folgen vier Gegner, die aktuell schlechter da stehen: Kiel, Magdeburg, Dresden, Fürth. Klingt nach Programm, ist aber ein Selbstbedienungsladen mit scharfen Messern. Verliert die Fortuna nur einmal, rutscht sie bis auf den Relegationsplatz. Mislintat bleibt cool: «Markus hat bewiesen, dass er in dieser Liga punkten kann.» Gemeint sind 1,48 Zähler pro Spiel beim FC St. Pauli, 1,33 in Aue, 1,20 in Köln. Die Zahlen sprechen, die Stimmen pfeifen.

Am Esprit-Kanal wird jetzt nicht mehr gefeuert, sondern gerechnet. Drei Punkte Vorsprung, vier Gegner aus dem Keller, ein Trainer, den keiner mehr wollte. Wenn am 34. Spieltag der Vorhang fällt, steht entweder Mislintat als Strategie-Genie da – oder als Mann, der den Abstieg mit Excel-Tabellen herbeirechnete. Die Antwort bekommt er kostenlos, live und in Farbe.