Milan stolpert über eigene anämie: 17 tore in 13 spielen – das ist europa-league-niveau

17 Treffer in 13 Partien – das ist kein Titelkampf, das ist Notstand. Während Inter in dieselben Wochen 30-mal jubelte und Juventus 28-mal, schießt Milan seit Jahresbeginn nur noch wie ein Mittelfeld-Klub. Die Rossoneri haben zwar die beste Abwehr Italiens, aber was nützt sie, wenn vorne nicht mal mehr die Stürmer treffen?

Die waffe verrostet: nur acht tore aus dem angriff

Die Statistik ist gnadenlos. Von den 17 Treffer stammen gerade einmal acht von echten Stürmern: Rafa Leão vier, Christopher Nkunku drei, Niclas Füllkrug eins. Der Rest kommt aus Mittelfeld oder Abwehr – ein Armutszeugnis für einen Klub, der sich mit dem Meisterschaftsschmuck schmücken will. Christian Pulisic? Null. Der US-Boy steht seit Wochen auf dem Rasen, aber nicht auf dem Scoreboard.

Trainer Massimiliano Allegri rechnet sich trotzdem noch aus, dass Milan bis Saisonende Inter ärgern könne. Doch die Rechnung geht nur auf, wenn die Waffe wieder lädt. Und die Munition liegt im Lazarett: Leão fällt wegen Adduktorenproblemen gegen Turin aus, Füllkrug kommt nach 359 Minuten gerade mal auf ein Tor, und Sergio Giménez kehrt nach viereinhalb Monaten Verletzpause nur langsam zurück.

Der krankheitsverlauf: von 2,1 auf 1,3 tore pro spiel

Der krankheitsverlauf: von 2,1 auf 1,3 tore pro spiel

Im Herbst flutschte noch alles – 2,1 Treffer pro Spiel. Seit Januar sind es 1,3, Tendenz sinkend. Die Lücke zur Inter wuchs von vier auf zwölf Punkte, und selbst die Roma, mit nur zwei Gegentoren mehr als Milan, liegt vor den Rossoneri. Die Ursache liegt nicht nur in Verletzungen oder Pech. Die Automatismen sind weg, die Drehungen zu langsam, die Hereingaben zu vorhersehbar. Gegner decken Leão mit Doppeldeckung, Nkunku läuft sich in der Zentrale fest, und Pulisic wirkt wie ein Fremdkörper im System.

Die Konsequenz: Milan spielt sich in Ballbesitzzahlen, aber nicht in Torschüssen. Die erwarteten Tore (xG) seit Januar: 21,4. Die Realität: 17. Die Differenz mag klein erscheinen, sie reicht aber, um Spiele in Remis statt Sieg zu verwandeln. Und Remis kosten Meisterschaften.

Die lösung muss kommen, sonst wird es eng

Die lösung muss kommen, sonst wird es eng

Allegri testet intern: Giménez als falsche Neun, Pulisic als zweite Spitze, Nkunku tiefer als Raumdeuter. Doch das sind Notnägel. Die echte Lösung heißt Tempo und Überraschung – genau die Tugenden, die Milan im Herbst auszeichneten. Wenn Leão wieder sprintet, Füllkrug die zweite Liga trifft und Pulisic sich selbst findet, kann aus der Anämie wieder Angriff werden. Bis dahin zählt jeder Schuss, jeder Pass, jeder Meter.

Die nächsten fünf Spiele entscheiden, ob die Saison ein halbwegs glückliches Ende findet oder ob Milan früh in die Europa-League-Routine verfällt. Die Uhr tickt. Die Tore müssen fallen. Sonst fällt Milan.