Milan schrumpft rückstand auf sieben punkte – so will der teufel die spitze noch kriegen
Einmal tief durchatmen, dann sprintet der AC Mailand in die Schlussphase der Serie A. Nach dem 2:1 im Derby ist der Rückstand auf Tabellenführer Inter von 13 auf sieben Punkte geschrumpft. Die Devise lautet: kein Ausrufezeichen, sondern ein dickes Komma – die Meister-Jagd ist wieder offen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Noch vor vier Spieltagen hätte die Nerazzurra den Vorsprung auf 16 Zähler ausbauen können. Jetzt? Die rotschwarze Abwehr kassierte in den letzten fünf Partien nur einen Treffer – beste Defensive Europas, gemessen an den Top-Ligen. Und genau dort setzt Stefano Pioli seinen Hebel an.

Die sieben säulen des comebacks
Erstens: die Null. Mike Maignan hält seit 312 Minuten kein einziges Gegentor mehr. Zweitens: die Physis. Milan lief in der Nachspielzeit noch 3 km mehr als Inter – ein Kraftakt, den die Mediziner auf 48-Stunden-Erdbeeren und personalisierte Laufanalysen zurückführen. Drittens: die unerwarteten Torschützen. Matteo Gabbia trifft per Kopf, Fikayo Tomori schirmt mit Schulter-Check ab – Tore aus der zweiten Reihe, die Spiele drehen.
Viertens: das Kollektiv. In zwölf der letzten 18 Treffer standen mindestens drei Spieler am Ball, bevor das Netz zitterte. Fünftens: die Spitzen. Olivier Giroud und Rafael Leão tauschen Positionen, als wäre es ein Basketball-Pick-and-Roll. Sechstens: die Führung. Theo Hernandez schreit sich heiser, Simon Kjær sortiert die Mitte. Und siebtens: der Glaube. Im Katakomben-Flur von San Siro hängt ein handgeschriebenes Zitat von Paolo Maldini: „Der Teufel lässt sich nicht begraben, er lässt sich nur versenken.“
Die restliche Saison liest sich wie ein Zeitplan für Extremsportler: Atalanta, Lazio, Juventus – alles direkte Konkurrenten. Die Inter-Maschine muss noch dreimal in die Hauptstadt reisen, dazu kommt ein umprogrammiertes Spiel in Bologna. Milan hingegen träumt vom Sprint. „Wir sind keine Jäger mehr, wir sind Radar“, sagte Pioli nach Schlusspfiff. Ein Satz, der sofort auf Trainings-T-Shirts gedruckt wurde.
Lo scudetto? Noch ein Marathon, aber die Schuhe sitzen. Und wenn sich in sieben Wochen die Kurve der Form mit der der Punkte kreuzt, könnte aus dem Komma am Ende doch noch ein Ausrufezehen werden – laut, rot und mailändisch.
