Milan rastet aus: sturz-drama in san benedetto bringt sechsten saisonsieg
142 Kilometer, ein Feld voller Sprinter, zwei Rivalen am Boden – und Jonathan Milan fliegt wie ein Meteor durch die Zielgerade von San Benedetto del Tronto. Der 25-jährige Friulaner von Lidl-Trek hat die letzte Etappe der Tirreno-Adriatico vor Paul Magnier und Jasper Philipsen gewonnen, nachdem beide Konkurrenten in der hektischen Finalephase zu Fall kamen.
Milan stoppte die Uhr bei 3:17:23 Stunden, holte sich seinen sechsten Sieg in dieser Saison und beendete damit die 61. Auflage des Rennens mit einem Ausrufezeichen. Vor allem der letzte Kilometer glich einer Achterbahnfahrt: Magnier touchierte das Streckenband, Philipsen rutschte über sein Vorderrad – und Milan nutzte die Lücke, als hätte er sie sich bestellt.
Del toro rettet mexiko-power ins ziel
Während sich Milan den Etappensieg schnappte, sicherte sich Isaac Del Toro das Gesamtklassement. Der 22-jährige Mexikaner von UAE Team Emirates büßte zwar auf der letzten Etappe Zeit ein, hatte aber dank seines Vorsprungs und eines Bonus im Zwischensprint genug Polster, um das Trikot nach Hause zu fahren. Zweiter wurde Matteo Jorgenson (Visma-Lease a bike), der Giulio Pellizzari (Red Bull-Bora) dank Zeitgutschrift noch auf Rang drei verweist. Pellizzari, der Italiener, der das Rennen zweimal attackierte, musste sich mit dem letzten Podiumsplatz zufriedengeben – ein Ergebnis, das viele Italiener mit gemischten Gefühlen aufnehmen.
Die Zahlen sprechen für Milan: Sein sechster Sieg in dieser Saison, der dritte bei einem WorldTour-Event. Sein Schnitt auf der letzten Kilometern: 62,4 km/h. Die Lücke, die er am Ende auf Magnier herausfuhr: ein Radlänge. Das Foto finish musste nicht einmal herangezogen werden – Milan war klar vorne.
Für Deutschland bleibt die Bilanz bitter: Kein einziger Fahrer im Top-Ten der Gesamtwertung. Die größte deutsche Hoffnung, Max Schachmann, beendete das Rennen auf Rang 14 – zu viel Boden verloren in den hügeligen Etappen der Vorwoche.

Was das finale wirklich kostete
Die Sturzserie am Ende war keine Randnotiz – sie war der Knackpunkt. Magnier wird voraussichtlich zwei Wochen ausfallen, Philipsen zog sich eine Schürfwunde am Ellbogen zu. Für Milan war es der erste Sieg seit seiner Niederlage beim Kuurne-Brüssel-Kuurne im Februar. Er selbst sagte nach dem Ziel: „Ich wusste, dass die letzten 500 Meter riskant sind. Als ich die Lücke sah, habe ich einfach nur noch geprescht.“
Die Tirreno-Adriatico endet damit mit einem Doppelbild: einem jungen Mexikaner, der sich in Europa etabliert – und einem Italiener, der sich selbst in der Heimat durchsetzt. Die Saison ist lang, aber Milan hat signalisiert: Er will mehr als nur Etappensiege. Er will die Sprintwelt beherrschen. Und er hat gerade den Beweis geliefert, dass er bereit ist, über Stürze und Gegner hinwegzufliegen.
