Aus 500 wegwerf-e-zigaretten wird ein auto: briten fahren 29 km auf müll-batterien

Der britische YouTuber und Elektroingenieur Chris Doel hat aus 500 ausrangierten E-Zigaretten eine fahrbereite Micro-Car-Batterie gebaut – und damit bewiesen, dass unsere Wegwerfkultur Milliarden funktionierender Lithium-Zellen verschwendet. Seine Reva G-Wiz legte trotz 200 kg Zuladung 29 km zurück, erreichte 56 km/h Spitze und lud sich per USB-C wieder auf – ein Spiegelbild der Elektrosport-Welt, in der Sekundenbruchteile über Sieg und Niederlage entscheiden.

So entstand die „vape-battery“

Doel lötete acht Wochen lang jede einzelne 3,7-V-Zelle aus den Kunststoffschächten heraus, prüfte Kapazität und Innenwiderstand und bündelte sie zu einem 50 V/2,5 kWh-Paket. Aluminium-Gehäuse, BMS, Zellfuses und Temperatursensoren sicherten 29 °C Maximaltemperatur selbst bei Vollgas-Anfahrten. Ein DC-DC-Wandler speist die 12-V-Bordnetze, ein umprogrammierter Inverter begrenzt Boost-Ströme auf 5 kW – genug, um britische Landstraßen hochzukurbeln.

Die Zahl lautet 1,3 Millionen: So viele E-Zigaretten landen laut UK-Environment-Agency täglich im Müll. Jede davon birgt eine 250 mAh-Lithium-Zelle, die nach Nikotin-Ende noch 80 % Lebensdauer besitzt. Multipliziert auf ein Jahr entspricht das 237 MWh verschwendeter Energie – theoretisch genug, um 1.100 e-Rennwagen über den Nürburgring zu schicken.

Warum sportler auf dieses experiment schauen sollten

Warum sportler auf dieses experiment schauen sollten

Der Radsport kennt seit Jahren „upcycling“-Rennen: Alu-Flaschen werden zu Schaltwerken, Carbonreste zu Sattelstützen. Doels Auto setzt dieses Prinzip in die Elektromobilität um – und liefert Daten, die Ingenieure von Formula E bis Ironman-Eigentriathlonern interessieren. Seine Zellen lieferten 80 % der Originalspannung, hielten 350 Ladecycle und ermöglichten regeneratives Bremsen bei 29 km Reichweite – Werte, die mit kommerziellen Second-Life-Packs mithalten.

Die Botschaft: Bevor teure Hochleistungs-Akkus bestellt werden, lohnt ein Blick in den Labor-Abfall oder den Fitness-Studio-Mülleimer. Sportveranstalter könnten darin Energie für Timing-Matten, LED-Walls oder mobile Lautsprecher finden – und ihren CO₂-Fußabdruck halbieren.

Strafrecht und sportethik

Strafrecht und sportethik

Die G-Wiz ist auf britischen Feldwegen legal, auf italienischen Asphaltstraßen hingegen verboten – ein Reminder an Sportler, die mit modifizierten E-Bikes oder Hoverboards trainieren. Doch rechtliche Grauzonen ändern nichts an der Tatsache: Der Rohstoff liegt gratis herum. Wer ihn nutzt, spart Lithium, Kobalt und Nickel – und damit zukünftige Minenkosten, die Profi-Karrieren durch steigende Ausrüstungspreise belasten.

Doels Video ist kein Tech-Gag, sondern ein Trainingsplan für nachhaltige Leistung. Die 29 km sind ein Medaillenwert – und ein Startschuss, bevor die nächste Million Zellen in der Tonne landet.