Milan plant sommer-revolution: 27 profis, neuer neuner, charakter-typen

Der AC Mailand will nicht länger mit 23 Mann in eine 50-Spiel-Saison rennen. Nach dem fast sicheren Champions-League-Einzug schmiedet die Klubführung einen 27-Kader, der endlich die Woche-in-Woche-Altlast der letzten Jahre abstellt. Drei Neue sind schon klar: ein linker Innenverteidiger, ein Strafraum-9 und ein Mittelfeld-Rotte, der den Biss nicht versteckt.

Warum tomoris derby-patzer den plan beschleunigte

Im Rückspiel gegen Inter rutschte Fikayo Tomori aus, Gabbia fiel kurz vorher aus – und plötzlich wärmte der 19-jährige Davide Bartesaghi auf, der in dieser Serie-A-Saison gerade mal vier Minuten gespielt hatte. Die Bilder gingen durch die WhatsApp-Gruppen der Bosse: so nicht. Die Konsequenz: vier zusätzliche Profis, 27 statt 23, damit Allegri nicht wieder einen Jugendlichen improvisieren muss.

Die Referenz kommt aus der Via Aldo Rossi: Inter stemmt sich mit 24 Feldspielern durch die Saison, Napoli mit 25, Juventus zählt Milik mit, der seit zwei Jahren kein Pflichtspiel mehr machte. Mailand will die Lücke mit Charakter schließen. Keine Leih-Rückkehrer wie Chukwueze, die nur den Kader füllen, sondern Ready-to-play-Typen, die direkt Temperatur in der Kabine erzeugen.

Die shopping-liste im detail

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Links hinten fehlt ein Fußgänger, der linksschwung bringt und trotzdem die Dreierkette schließt. Tomori, Gabbia und Pavlovic sind Rechtsfuß, De Winter kann alle Positionen besetzen, aber ein Linksfuß wäre ein Turbo. Davor sucht der neue Sportdirektor eine klassische 9, keine falsche Neun, keine Außenbahn-Notlösung, sondern jemand, der bei 0,7 xG pro Spiel sofort schreit: „Ball her!“ Die Statistik: Milan-Keeper Mike Maignan bekam in dieser Saison den zweithöchsten Schusswert Europas zu sehen, weil sich niemand in die Tiefe stemmt.

Im Zentrum folgt der dritte Neuzugang: ein Mittelfeld-Rotte mit 30-Minuten-Dauerlaufquote, der die Lücken vor der Abwehr zuklebt, aber auch die Paßmaschine in die Spitze bedient. Saelemaekers, Athekame, Bartesaghi und Estupinan sollen sich nicht mehr 50 Spiele lang durchwurschteln, sondern echte Konkurrenz bekommen.

Der Preis: rund 80 Millionen Euro, verteilt auf Ablösen und Gehälter. Die Einnahmen aus der Champions League allein bringt der Klub auf 55 Millionen, dazu verkauft Milan Musah und Krunic, spart zehn Millionen Gehaltsmasse. Die Rechnung geht auf – wenn der neue Eigentümer Cardinal die versprochene Arena in Mailand nicht doch noch in einen Basketball-Tempel verwandelt.

Am 30. Juni beginnt der USA-Tour, das Trainingslager in Los Angeles. Wer da nicht im Kader steht, fliegt. Die Devise: keine Experimente mehr, keine Notlösungen. Mailand will 2025 wieder um den Titel mitreden – und nicht mehr in der Nachspielzeit einen Teenager auf den Rasen schicken, der eigentlich noch Abi lernen sollte.