Mia cruzado stoppt handball-karriere – bayer leverkusen verliert top-talent
Mit 19 Jahren legt Mia Cruzado schon mal die Koffer weg. Die Rückraumakteurin des TSV Bayer 04 Leverkusen verlässt den aktuellen Vorletzten der 2. Handball-Bundesliga der Frauen – und das nicht, weil ein anderer Klub anklopft, sondern weil das Jurastudium lauter ruft. Kein Transfer, kein Verletzungsdrama, einfach nur Prioritäten, die sich verschieben.

Die entscheidung fiel bereits während der laufenden saison
Intern war das Aus seit Wochen klar. Cruzado, 2021 vom HSV Solingen-Gräfrath gekommen, hatte schon im Winter angekündigt, dass sie sich künftig auf Vorlesungen und Repetitorien statt auf Gegenstoß und Siebenmeter konzentrieren will. Trainer Jörg Dembinski musste sie trotzdem bislang immer wieder aufs Feld schicken, weil Leverkusen personell auf der Rechtsaußen-Position blank liegt. Nun zieht der Verein Konsequenzen: Die Lizenzspielerin rutscht komplett aus dem Bundesliga-Kader. Wer die Halle morgens um sieben betritt, wird Cruzado künftig nur noch auf der hinteren Bank der Jurabibliothek finden.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In der abgelaufenen Bundesliga-Saison kam Cruzado auf zwölf Kurzeinsätze, erzielte dabei sieben Treffer und lag mit einer Erfolgsquote von 58 % über Liga-Durchschnitt. In der laufenden 2.-Bundesliga-Kampagne stehen bisher 13 Treffer in 14 Partien zu Buche. Sportchefin Annika Ingenpaß rechnet offen mit: „Wir verlieren eine Spielerin, die in zwei Jahren zu den Leistungsträgern hätte werden können. Aber wir können keine 25-Stunden-Wochen neben Vollzeitstudium finanzieren.“ Der Klub verzichtet deshalb auf eine Ablöse, verhandelt aber über ein Comeback-Recht für 2027.
Für Leverkusen mehren sich die Baustellen. Mit 7:25 Punkten steht die Mannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz, der Abstand zum sicheren Mittelfeld beträgt bereits fünf Zähler. Die nächste Partie am Sonntag gegen HSG Bensheim/Auerbach droht zum Endspiel zu werden. Wer dort Cruzados Position übernimmt, ist offen. Die Talentschmiede um Jung-Nationalspielerin Lena Klingler ist ausgelaugt, externe Verstärkung soll erst im Sommer kommen.
Cruzado selbst schreibt den Vereinsmitarbeitern eine WhatsApp-Nachricht, die halb Abschied, halb Kampfansage ist: „Ich trage Bayer 04 im Herzen, aber die Kanzlei ruft ebenfalls.“ Ihre Mitspielerinnen organisieren am Freitagabend eine kleine Abschiedsparty im Clubheim, Corona-bedingt draußen, mit selbstgemachten Muffins und einem Video, das Tore, Assists und vor allem ihre Lachtränen in der Kabine zeigt. Es bleibt das Bild eines Talents, das sich gegen den Ball und gegen das System durchsetzte – und nun die Bücher vorzieht.
Leverkusen wird sie vermissen. Die Liga auch. Denn wenn Cruzado irgendwann wieder aufläuft, wird sie 24 sein, im besten Handballeralter und mit einem Examen in der Tasche, das weiß, wie man gegnerische Abwehrreihen auseinanderpflückt. Bis dahin bleibt den Werkselfen nur eins: punkten, sonst spielen sie nächste Saison eine Liga tiefer – und Cruzado kann dann sogar promoviert sein.
