Max kanter rast in paris-nizza: cottbuser löst mit kraft-sprint seinen traum

187 Kilometer, ein finaler Punch und plötzlich steht der Mann aus der Lausitz ganz oben. Max Kanter hat die zweite Etappe der Paris-Nizza gewonnen – und das nicht mit einem gezielten Angriff, sondern mit roher Muskelkraft und dem Mut, sich selbst zu glauben.

Der 28-Jährige von Astana feierte in Montargis seinen ersten WorldTour-Sieg seit seinem Debüt im Peloton vor acht Jahren. Dabei war er zuletzt keineswegs auf der Sonnenseite des Radsports: „Die letzten Wochen waren nicht meine besten“, sagte er nach dem Rennen, die Stimme noch rau vom Sauerstoffmangel. „Ich hatte einige Rückschläge.“

Kanter zieht sich aus dem schatten der großen

Was ihn trägt: ein Team, das an diesem Montag keine Sekunde zögerte. Die Jungs von Astana legten sich in die Windschatten, schirmten ihn vor Seitenwind, stellten die Züge für den Sprint perfekt. Kanter antwortete mit einer Beschleunigung, die selbst Laurence Pithie und Jasper Stuyven überraschte. 250 Meter vor dem Ziel schaltete er in einen Gang, den seine Konkurrenten so nicht erwartet hatten.

Die Zielaufzeichnung zeigt es in Zeitlupe: Pithie stemmt sich nach links, Stuyven versucht rechts die Lücke, doch Kanter bleibt mittig, treibt die Beine durch, als wolle er die vergangenen Monate mit jedem Tritt abschütteln. 0,12 Sekunden Vorsprung reichen. Die Arme gehen hoch, der Blick ist leer, dann kommt der Lärm.

Für den Cottbuser ist das mehr als nur ein Etappensieg. Es ist die Antwort auf Fragen, die sich seit Jahren hinter vorgehaltener Hand stellen: Reicht das Niveau? Hält er dem Druck stand? Mit diesem Sieg hat er sich selbst befreit – und das Pelton auf sich aufmerksam gemacht.

Paris-nizza bleibt lampertis bühne – bis dienstag

Paris-nizza bleibt lampertis bühne – bis dienstag

In der Gesamtwertung behält der US-Auftaktsieger Luke Lamperti das Gelbe Trikot. Vito Braet aus Belgien liegt gleichauf, Pithie folgt sechs Sekunden später. Für die Top-Favoriten war Montag noch Ruhe vor dem Sturm: Jonas Vingegaard und Co. sparen sich für das 23,5 km lange Mannschaftszeitfahren am Dienstag. Dort werden erste Sekunden entscheiden, wer in den Alpen noch Luft nach oben hat.

Kanter wird nicht dabei mitreden können – er liegt 1:24 Minuten zurück. Aber das spielt keine Rolle mehr. Er hat sich seinen Platz erkämpft, nicht in der Klassement, sondern in den Köpfen. „Ich werde daraus viel Selbstvertrauen ziehen“, sagt er. Und das klingt nicht nach Standardphrase, sondern nach einem Mann, der endlich wieder an sich glaubt.

Die Rundfahrt endet am Sonntag in Nizza. Wer dann das Gelbe trägt, ist offen. Wer Max Kanter trägt, steht fest: ein Sprinter aus Brandenburg, der bewies, dass man auch aus der zweiten Reize gewinnen kann – wenn man nur lange genug daran glaubt.