Matthäus wählte den hörer statt des mikrofons: kehls bvb-aus löst gänsehaut bei sky-experten aus
Sebastian Kehl ist noch kein alter Mann, aber seine Geschichte beim BVB liestsich wie ein Jahrhundertroman. Nach 25 Jahren ist Schluss – und Lothar Matthäus, sonst eher kühl in der TV-Arena, packte das Telefon. „Ich habe ihm alles Gute gewünscht“, sagte er am Samstagabend, Sekunden vor dem Anpfiff gegen Stuttgart. Kein PR-Satz, kein Zwang. Pure Emotion.
Warum der anruf des rekordnationalspielers mehr bedeutet als jedes statement
Matthäus und Kehl, das war lange kein Liebesverhältnis. Als Spieler prallten ihre Welten zusammen, als Fernsehexperte und Manager beäugten sie sich misstrauisch. Doch der abrupte Rauswurf Ende März schmolz selbst diese Eisdecke. „Er war das Gesicht des BVB“, wiederholte Matthäus fast schon mantraartig. Dahinter steckt die Erkenntnis: Wer Kehl wegschickt, schickt einen Lebensentwurf. Kehl war nicht nur Sportdirektor, er war Chronist, Identifikationsfigur, manchmal auch Prügelknabe.
Die Choreografie des Abschieds war gnadenlos kurz. Keine Verabschiedung auf der Südtribüne, keine Blumengirlanden, nur ein knapper Pressefax. Für viele Fans fühlte sich das wie ein Tiefschlag an, für Matthäus offenbar auch. Sein Anruf war keine Geste, sondern eine Gegenwehr gegen die Kälte moderner Führungsetagen.

Ole book rutscht nach – aber die frage nach kehls zukunft bleibt offen
Während Dortmund mit Ole Book bereits den Nachfolger präsentiert, schwirrt Kehl durch die Gerüchteküche. HSV? Ein Klub, der selbst nach Haltung sucht. Doch noch ist nichts fix. Kehl schweigt, was bei ihm selten auf Unkenntnis schließt, sondern auf Nachdenken hinweist. 25 Jahre Lebenszeit stecken in Schwarz-Gelb. Das zieht nicht einfach weiter wie ein Wechsel im Fantasy-Manager.
Die Partie gegen Stuttgart endete 2:2, ein Ergebnis, das die Gemüter befeuerte. Die Südtribüne skandierte Kehls Namen in der 25. Minute – eine spontane Liebeserklärung, die auf Sky sogar die Kommentatoren für Sekunden verstummen ließ. Matthäus nahm den Hut, sprach kein Wort mehr über Taktik. Stattdessen sagte er nur: „Manchmal zählt eben nicht der Spielstand, sondern die Geschichte dahinter.“
Am Ende blieb die Erkenntnis: Selbst in einer Branche, die mit Wechselkursen und Leistungsdaten lebt, kann ein Anruf mehr Gewicht haben als jede Analyse. Kehls BVB-Kapitel ist vorbei, seine Fußballbiografie noch längst nicht. Und Matthäus? Hat vielleicht gerade eine neue Freundschaft geschlossen – ganz nebenbei, zwischen zwei Werbeblöcken.
