Matschke fordert magdeburg: lehrer mit champions-lehre live

Ben Matschke steht Ostersonntag um 18 Uhr in der Halle, die ihm „nur unzureichend“ gehört, und tritt an gegen den Verein, den er als großes Vorbild nennt. Der Handball-Lehrer mit BWL-Beifach wird live bei Dyn gegen Bennet Wiegerts perfekt geschliffene Magdeburg-Maschine antreten – und vorher noch schnell Unterrichtsstunden an der Wirtschaftsschule Schwetzingen geben.

Die 43-jährige Doppelbelastung ist keine Nebensache, sondern Matschkes Lebensentwurf. „Die Chemie stimmt außerordentlich gut zwischen uns“, sagt er über seinen ein Jahr älteren Kontrahenten, „wir sind Jahrgang 80/81, starteten beide als Trainer, tauschten uns von Anfang an über die Doppelfunktion aus.“ Während Wiegert in Magdeburg alle Titel holte und als Sportgeschäftsführer die Transferlinie zieht, baut Matschke in Göppingen ein Projekt, das seine Schüler als Case Study lieben würden: jung, kernig, aber mit maroder Infrastruktur.

Mia-san-mia auf der elbe – und was göppingen fehlt

„Benno hat eine Mia-san-mia-Mentalität geschaffen, klar wie Bayern München“, schwärmt der Lehrer. „Wir haben die gleiche Idee, nur fehlt uns die Halle.“ Die Aussage klingt wie ein Bonmot, ist aber Matschkes tägliche Planungsrealität. Weil die Trainingszeiten mit Schulturnen kollidieren, räumen seine Profis um 22 Uhr noch Geräte zur Seite, um Sprintläufe zu ziehen. „Wenn wir Eigengewächse integrieren wollen, brauchen wir Bedingungen wie die Top-Clubs“, fordert er – und meint damit nicht nur Magdeburg.

Die Zahlen sprechen trotzdem für sich: Vier Siege in Serie, Platz fünf vor dem Spitzenspiel. Die Mannschaft, die Matschke „im Kern die nächsten Jahre zusammenbleibt“, wirft derzeit mit der Frische von Schülern vor der Abiturprüfung. „Wir sind hungrig, weil wir wissen, dass die Infrastruktur morgen besser sein kann, heute aber unser Kopf zählt“, sagt Rückraumshooter Julius Kühn.

Magdeburg reist mit warnschild

Magdeburg reist mit warnschild

SCM-Coach Wiegert warnt trotz 34:26-Auswärtssieg in Kiel: „Göppingen spielt momentan befreit. Wenn wir schlafen, wird der Lehrer uns eins überreichen.“ Die Rede ist vom Lehrer, der gleichzeitig die Personalplanung stemmt und nach dem Spiel noch Hausaufgaben korrigiert. Für Matschke ist das Duell daher mehr als Tabellenkrimi: Es ist die Abschlussprüfung über seine eigene Theorie, dass Leidenschaft Lücken kitten kann.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Wer als Bundesligatrainer nebenher VWL- und Sportunterricht gibt, kann nicht jammern – er muss rechnen. Matschkes Bilanz nach 27 Spieltagen: 42 Punkte, 18 Stunden Lehrzeit pro Woche, null Hallenbaustopp in Sicht. Magdeburg mag das bessere Gebäude haben. Göppingen besitzt gerade die bessere Story. Und die läuft am Sonntag live, punktgenau um 18 Uhr, wenn der Pausenklopfer fällt und der Lehrer mit der Champions-Lehre beginnt.