Marotta schickt milan ins jagdrevier – inter sieht sich als hase

Giuseppe Marotta spielt nicht mehr den Coolen. „Wir sind der Hase, der wegläuft“, sagt der Inter-Präsident am Mittwochabend in die Kameras des Mailänder Finanz-Roadshows „Motore Italia“ – und schiebt dem Stadtrivalen vom AC Milan den Jäger-Rolli zu. „Es ist leichter, zu jagen, als vorne wegzulaufen.“

Die Worte klingen wie ein Seitenhieb, sind aber ein Schulterschluss mit seiner Mannschaft. Nach 29 Spieltagen führt Inter mit fünf Punkten Vorsprung auf das Rossonero. Die Meisterschaft ist noch lange nicht entschieden, sagt Marotta, „aber wir sind konkurrenzfähig und überzeugt, dass wir das durchziehen“. Optimismus sei Pflicht – für die Kabine und für die 77.000, die nächste Woche gegen Atalanta wieder das Meazza zum Kochen bringen sollen.

Neues stadion soll milan und inter ein gemeinsames zuhause geben

Neues stadion soll milan und inter ein gemeinsames zuhause geben

Der Präsident nutzt die Videokonferenz, um die alte Neubau-Debatte neu zu entfachen. „Ein neues Stadion bedeutet Arbeitsplätze, Wohlstand und ein internationales Aushängeschild“, so Marotta. Gemeinsam mit Milan planen die Nerazzurri ein 60.000-Zitadell, das sich an britischen Vorbildern orientiert: mehr Hospitality, mehr VIP-Flächen, mehr Umsatz pro Besucher. Die alte Scala del Calcio soll ab 2030 nur noch Konzerte und Trophäen-Feiern sehen.

Die Politik zögert, die Bürgerinitiativen protestieren. Marotta zieht den Olympia-Joker: „Der Sport ist ein nationales Asset, genauso wie der Tourismus. Ohne moderne Infrastrukturen vergeben wir Chancen.“ Die Kosten: geschätzte 1,3 Milliarden Euro, finanziert durch private Investoren und einen Tick mehr Steuergeld, als die Stadt Rom gerne zugibt.

Was bedeutet das für den Saison-Endspurt? Erst einmal nichts. Marotta will keine Ablenkung. „Unsere Aufgabe ist es, die Jäger nervös zu machen.“ Die nächsten fünf Spiele entscheiden, ob der Hase davonläuft oder doch noch erlegt wird. Die Jagd beginnt am Sonntag in Bologna. Für Inter zählt nur ein Ziel: die 20. Meisterschaft, der zweite Stern, endlich auf der Brust.