Marokko ist jetzt afrikameister – ohne ein einziges tor im finale
Senegal war nicht da, Marokko trotzdem auf dem Thron. Die Entscheidung der CAF, das Finale der Afrika-Cup 2025 per 3:0-Walkover an die Atlaslöwen zu geben, entzündet einen Streit, der bis nach Lausanne reicht.

Die szene, die es nie gab
18. März, 17:45 Uhr – Stade de Marrakech leer. Keine Hymne, kein Anpfiff, nur ein PDF-Statement: „Senegal hat die Endspiel-Anwesenheit verweigert, Marokko wird zum Champion erklärt.“ Grundlage: Artikel 82 und 84 des CAF-Reglements. Wer den Platz vor Schlusspfiff verlässt oder gar nicht erst betritt, gilt als 0:3-Besiegter. Keine Diskussion, keine Verwarnung – einfacher Automatismus, fand die Afro-Konföderation.
Die Senegalesen sehen das anders. Ihr Argument: Sicherheitslage, unzumutbare Reisebedingungen, fehlende Garantien von Seiten der marokkanischen Organisatoren. Statt 90 Minuten zu riskieren, reisten sie gar nicht erst. Nun liegt der Fall beim Internationalen Sportgerichtshof CAS. Matthieu Reeb, dessen Generalsekretär, verspricht „eine rasche, aber faire Entscheidung“. Druck ist groß – innerhalb von zwei Wochen soll das Urteil fallen, bevor die Qualifikation für die nächste WM-Ausgabe losgeht.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Dakar den Titel zurückbekommt, liegt laut CAS-Insider Romain Bizzini „deutlich unter zehn Prozent“. Die Regularien sind eindeutig, der Spielplan bereits auf 2026 verlängert. Marokko feiert trotzdem verhalten. Trainer Walid Regragui ließ wissen: „Wir wollten den Pokal auf dem Rasen holen, nicht per Fax.“ Seine Spieler posieren mit goldener Trophäe, doch die Fotos wirken wie Promo-Shootings für ein Turnier, das nie ein Finale hatte.
Paradox: Senegal gewann die beiden letzten Afrika-Cups, gilt als bestes Team des Kontinents. Jetzt droht dem Land, das sonst für Fairplay gelobt wird, eine zweijährige Sperre für internationale Bewerbe. Gana Gueye, Mittelfeldanker der Teranga-Löwen, sagt im Trainingslager vor dem Freundschaftsspiel gegen Peru: „Wir haben nichts gestohlen. Wer vier Final-Einzüge in Folge schafft, hat seine Größe bewiesen.“ Pape Thiaw ergänzt: „Titel gewinnt man auf dem Platz – irgendwann holen wir uns den nächsten.“
Die CAF steht unter Beschuss. Erst verschob sie das Turnier wegen Ebola, dann wegen Covid, nun dies. Sponsoren ziehen sich zurück, TV-Einschaltquoten brechen ein. Afrikanische Verbände fordern eine Reform der Statuten, um künftige Boykotte zu verhindern. Marokko profitiert kurzfristig, langfristig aber wächst der Verdacht: Der Kontinent schadet sich selbst.
Für Fans bleibt ein fader Beigeschmack. Keine Riesen-Choreo, kein Heldentränen-Moment, nur ein Schreiben. Wer wird sich in zehn Jahren noch an diesen „Champion“ erinnern? Ohne Spiel kein Mythos, ohne Mythos keine Legende. Die Trophäe steht im Königspalast von Rabat, glänzt – und ist so leer wie das Stadion an jenem Montagnachmittag.
