Marie-claire haag schreibt bremer trainerinnengeschichte – gala-atemlosigkeit schon vor 19 uhr
Marie-Claire Haag hat’s voraus. Während der Rest der Sportprominenz im GOP Varieté noch zittert, steht die Triathlon-Trainerin schon jetzt fest als Trainerin des Jahres 2025. Ein Votum der Jury, das die 38-Jährige laut Kollegen „mit einem Lächeln abnickt, als wäre es ein 400-Meter-Intervall“.
Die vorab-entscheidung, die alle reden lässt
Normalerweise hält sich die Spannung bis zur letzten Showminute. Doch Haags Vorauswahl zerlegt die Regel wie ein zu schnell geschwommener Zeitfahrensatz. Gründe gibt es genug: Unter ihrer Hand jagte der Bremer Triathlon-Verband in diesem Jahr sieben Athleten auf nationale Podeste, drei auf internationale. Die Bilanz: fünf Gold, drei Silber, ein Bronze – und ein EM-Ticket für die U23, das niemand auf der Rechnung hatte.
„Wir haben Trainingspläne neu erfunden“, sagt Verbandssprecher Jan Holthusen. Gemeint ist ein hybrides Blockmodell, das Ausdauer, Kraft und mentale Reset-Phasen verschaltet wie die Gänge eines Elektrorads. Die Folge: Laktattests, die früher noch rote Zonen sprengten, liegen jetzt im grünen Mittelwert. „Marie-Claire kann Zahlen so erklären, dass sogar meine Oma ein Ironman wird“, scherzt Niklas Dellke, selbst nominiert für den Sportlerpreis, aber bereits nach dem Vorkolloquium klar: „Die Coach hat heute den längsten Tag.“

Die konkurrenz biegt ein, haag gibt vollgas
Spannend bleibt es trotzdem. Um 19 Uhr geben Nina Engel (Handball), Friedeline Petershofen (Stabhochsprung) und Karina Schönmaier (Turnen) alles für die Frauen-Trophäe. Bei den Männern duellieren sich Dellke, Eishockey-Keeper Kristers Gudlevskis und Handball-Nationalspieler Miro Schluroff. Doch selbst sie wissen: Der erste Pokal des Abends ist längst verliehen – und steht als Mahnmal für konsequente Work-Life-Balance. Haag selbst trainiert nämlich nebenbei für den „Ultraman“, einen Drei-Tage-Selbstversuch, der 515 Kilometer schluckt. „Ich brauche das, um meinen Athleten das Gefühl zu geben, ich würde mit ihnen leiden“, sagt sie.
Die Jury lobte ihren „systemischen Coaching-Ansatz“. Gemeint ist: Wer bei Haag landet, bekommt nicht nur Sauerstoffmasken und Wattmessgeräte, sondern muss auch Tagebuch führen – über Schlaf, Ernährung, Streß. „Wenn du deine Seele nicht aufschreibst, schreibt dein Körper sie dir mit einer Verletzung vor“, zitiert ein Verbandsathlet seine Trainerin.

Ein preis, der nachhallt
Für den Bremer Triathlon-Verband ist Haags Auszeichnung mehr als PR. Die Mitgliederzahlen stiegen 2025 um 18 Prozent, Tendenz steil. Sponsoren, die früher höchstens für Fußball und Handball warm wurden, buchen jetzt „Performance-Pakete“ im Blocksprint-Format. Selbst die Stadtwerke Bremen testen ein Pilotprojekt: „Trainieren mit Strom“ – Ökostrom, versteht sich, der die Cardio-Geräte speist, während Haags Athleten sich auf Wettkämpfe vorbereiten.
Um 22 Uhr endet die Gala mit dem gemeinsamen Foto der Sieger. Marie-Claire Haag wird fehlen. Stattdessen steht sie laut Programm „irgendwo auf der Weser-Dyke, um 5:30 Uhr, mit Kopflampe und Schwimmboje“. Ihr Kommentar auf die Frage, warum sie der Siegerehrung fernbleibt: „Morgen ist Training. Und der Titel ist nur ein Checkpoint, kein Ziel.“ Die Zahlen sprechen für sie: 37 von 42 möglichen Podestplätzen in diesem Winter. Der Rest ist Statistik. Bremens Sportler des Jahres? Vielleicht. Aber Trainerin des Jahres ist längst klar – und das war’s für Haag schon gestern.
