Hsg wetzlar stolpert in den keller: fünf trainer, ein abstieg

Die HSG Wetzlar spielt seit 28 Jahren ununterbrochen Bundesliga, aber genau diese Serie droht binnen zehn Spieltagen zu enden. Nach dem 32:38 im Hessenderby gegen MT Melsungen steht der Klub auf dem letzten Platz, vier Punkte hinter dem TSV Minden – und der Gegner am Samstagabend.

Kein kampf, keine punkte, keine antworten

Schon zur Pause lag Wetzlar mit 14:21 hinten, und selbst Sportdirektor Michael Allendorf musste live am Mikro einräumen: „Wir müssen zwingend aggressiver werden.“ Spätestens als die MT nach Wiederbeginn auf 27:18 erhöhte, war das Derby zur Nebensache verkommen. Die Gäste spielten nur noch ihre Routinesiege herunter, die Hausherren liefen hinterher. Runar Sigtryggsson, inzwischen fünfter Coach seit 2021, klang nach Abpfiff wie ein Mann, der die Rechnung ohne Kampfgeist macht: „Ohne den hast du in der Bundesliga keine Chance.“

Die Zahlen sind gnadenlos: erst drei Siege aus 24 Spielen, 401 Gegentore – schlechteste Defensive der Liga – und eine Verletztenliste, die sich seit August nicht leert. Kai Wandschneider, letzter Erfolgstrainer, verließ den Verein vor fünf Jahren. Seitdem sucht Wetzlar vergeblich nach Stabilität.

Minden als letzte bremse

Minden als letzte bremse

Am Samstag (19 Uhr) gastiert Wetzlar beim TSV Minden. Verliert der Tabellendritte gegen den Vorletzten, beträgt der Rückstand sieben Punkte – bei nur noch neun Partien. Dann reicht selbst ein kleines Fußmatten-Wunder nicht mehr. Die HSG-Fans erinnern sich an 1998, das letzte Jahr ohne Bundesliga. Die Politik damals: Gerhard Schröder. Das Popkultur-Ereignis: Lewinsky. Die WM: deutsches Viertelfinale-Aus. Die Pointe: Auch damals war alles andere als sicher, was danach kommt.

Für Melsungen geht es unterdessen Dienstag (20.45 Uhr) gegen Vardar Skopje um den Gruppensieg in der European League. Während die Nordhessen den Europapokal vor Augen haben, richtet Wetzlar den Blick nach unten – und fragt sich, ob 28 Jahre Bundesliga am Ende doch nur eine Episode bleiben.