Malinin wirft olympia-frust ab und krönt sich mit 329 punkten zum triple-weltmeister

Sechs Wochen nach dem größten Blackout seiner Karriere platzt Ilia Malinin in Prags O2-Arena der Knoten: 329,40 Punkte, Gold, Weltrekordjubel – und endlich wieder dieses freche Grinsen. Der 21-jährige US-Amerikaner verzichtet auf seinen gefürchteten Vierfach-Axel, reduziert das Programm auf fünf statt sieben Vierfachsprünge, doch die Kür glänzt als sauberste Saisonleistung. Die Arena tost, die Konkurrenz blickt verlegen auf die Anzeigetafel.

Japaner kagiyama sprintet mit 306,67 punkten auf silber

Yuma Kagiyama liefert die Aufholjagd des Abends. Vom sechsten auf den zweiten Platz innerhalb von vier Minuten – dank einer Kür, die 186,07 Punkte belohnt. Landsmann Shun Sato wird mit 288,54 Punkten Dritter. Dahinter herrscht Riesenluft: 40 Punkte trennen Bronze vom Viertplatzierten. Das Feld hatte sich auf das Duell mit dem „Quad-Gott“ eingestellt, kassiert stattdessen eine Demutseinlage in Echtzeit.

Keine 24 Stunden zuvor hatte Malinin noch gestanden, dass er nachts wachliege und Olympia-Szenen durchspule. Das katastrophale Kurzprogramm von Cortina, die 17. Platzierung in der Kür, der Absturz auf Rang acht – das alles hatte ihn mit einem Schlag aus der Social-Media-Blase in die Realität katapultiert. Hasskommentare brandeten auf, Sponsoren zögerten, das US-Federation-Psychoteam bestellte ihn zur Nachbesprechung. „Ziemlich schwer“ nannte er die Tage danach.

Gartung rettet trotz sturz platz unter top-24

Gartung rettet trotz sturz platz unter top-24

Deutschlands Hoffnungsträger Genrikh Gartung tritt mit 19 Jahren als jüngster Teilnehmer an und verliert nach zwei gefallenen Drehern 21 Punkte. Er rutscht von 23 auf 24 ab – doch weil der Einzug ins Finale laut DTU-Boss „Saisonziel Nummer eins“ war, stimmt der Hamburger trotzdem zufrieden. Im Mixed-Zone lacht er verschmitzt: „Ich bin noch lange nicht fertig mit Prag – nächstes Jahr komme ich mit mehr Drall zurück.“

Der Routinier im Feld fehlt diesmal: Olympia-Sensation Michail Schaidorow schont sich nach 15 Wettkämpfen in 18 Wochen und verzichtet freiwillig. Seine Absage hinterlässt eine Lücke, die Malinin sofort füllt. Mit jedem erfolgreich landeten Quad springt die Anspannung ab, bis er nach der letzten Pirouette in die Knie sinkt und die Hände zur Götzengeste hebt. „Ich habe das Publikum in jeder Eiswolke gespürt“, sagt er danach, das Mikro zittert ein wenig in seiner Hand.

Die Zahl des Tages: 22,73 – der Punkteabstand zwischen Malinin und Kagiyama entspricht fast einem sauberen Triple-Axel. So deutlich war ein Weltmeister seit 2019 nicht mehr vorn. Schaidorow fehlt, der Druck bleibt – doch Malinin hat den Schalter umgelegt. Seine Saison endet nicht mit einem Fragezeichen, sondern mit Ausrufezeichen in Gold. Nächster Halt: Sommercamp in Toronto. Dort will er den Vierfach-Axel wieder einbauen – und die Welt weiter herausfordern.