Malinin flippt prag: 111 punkte nach mailand-debakel, gold schon jetzt greifbar
Ilia Malinin hat die Turmbühle von Prag in eine persönliche Demonstration verwandelt. 111,29 Punkte – neuer Bestwert, neue Frisur, neues Selbstvertrauen. Sechs Wochen nach dem Olympia-Blackout in Mailand legt der 21-jährige US-Amerikaner eine Kurzkür hin, die schon vor dem Finale am Sonntag nach Gold riecht.
Der rückwärtssalto als schlusspunkt
Er verzichtete auf den frühen Vierfach-Axel, dafür kam die Spekulation später – und sauber. Das Publikum in der O2 Arena toste, als Malinin nach dem spektakulären Rückwärtssalto die letzte Note kratzte. Die Richter dankten es mit der bisher höchsten Kurzprogramm-Wertung der Saison. Adam Siao Him Fa (Frankreich) folgt mit 101,85 Zählern auf Platz zwei, Alexander Selevko (Estland) ist mit 96,49 Dritter. Der japanische Olympia-Zweite Yuma Kagiyama stürzte und rutscht auf Rang sechs.
Der deutsche Hoffnungsträger Genrikh Gartung schaffte als 23. von 24 den Einzug ins Finale. Der 18-jährige Vierfachspringer aus Berlin landete 73,20 Punkte, reichte für den letzten Ticket-Platz. „Ich habe zwei Vierfachsprünge in einem Kurzprogramm riskiert – das war meine erste WM, nicht meine letzte“, sagte Gartung. Die Kombination aus Vierfach-Flip und Dreifach-Toeloop klappte, den Vierfach-Rittberger ritt er trotz leichter Unsicherheit durch.

Malinins psychotrick: kürzere haare, weniger druck
Die Haare sind ab, der Kopf frei. Der frischgekürzte „Quad-Gott“ wirkte in Prag leichter, als er je in Mailand wirkte. Der Verzicht auf den sofortigen Vierfach-Axel wirkt wie ein strategisches Psychospiel: Er nahm sich selbst den ersten Stein aus dem Rucksack und ließ die Konkurrenz zusehen, wie sauber man heute wieder springen kann.
Die Kür am Sonntag (15:45 Uhr MEZ) dürfte nur noch Formsache sein. Ohne den kasachischen Olympia-Champion Michail Schaidorow im Feld ist der Weg frei für Malinins dritten WM-Titel nach 2024 und 2025. Die Frage ist nicht mehr, ob er gewinnt, sondern wie groß die Lücke nach hinten wird.
Für Gartung ist die Mission Erfahrung bereits erfüllt. „Die Saison ist vorbei, meine ist gerade erst am Anfang“, sagt er. Die Zahlen sprechen für ihn: 73,20 Punkte reichen, um in der Weltspitze zu bleiben. Und sie sprechen gegen die Konkurrenz: 111,29 Punkte liegen zwischen Malinin und dem Rest – eine Differenz, die selbst ein perfekter Freitag kaum schließen kann.
