Mainz vor historischem viertelfinale: fischer schweigt zu amiri – fans sollen entscheiden
Der FSV Mainz 05 steht vor dem größten Abend seiner Europapokal-Geschichte – und Trainer Urs Fischer hält die Karten noch dichter an die Brust als sonst. Gegen Racing Straßburg geht es um das Halbfinale der Conference League, doch wer neben den Spielern aufläuft, bleibt selbst intern ein Staatsgeheimnis.
Amiri trainiert, aber kein wort über den einsatz
Nadiem Amieri, seit Wochen mit einer Fersenprellung außer Gefecht, schnürte gestern wieder die Stollen. Die medizinische Abteilung hatte ihn zuletzt wie ein rohes Ei behandelt, doch Fischer ließ nur ein lapidares „Wenn er auf der Bank sitzt, kann er spielen“ fallen. Mehr verrät der Schweizer nicht. Die Botschaft: Selbst die Mitspieler erfahren kurzfristig, ob der Ballzauberer dabei ist. Eine psychologische Waffe – oder einfach ein Zeichen, wie sehr der Coach die Außenwelt aus dem Kessel kicken will.
Mainz hat in dieser Saison gelernt, mit Unwägbarkeiten zu leben. Nach dem Absturz auf Rang 17 im Winter holte die Mannschaft 19 Punkte aus den letzten acht Spielen. Die Serie befeuert den Glauben, dass das erste europäische Viertelfinale nicht nur eine Folge guter Lose ist, sondern harte Arbeit.

Straßburg bringt tempo, mainz bringt momentum
Racing Straßburg reist als ungeschlagener Serienprimus an: zehn Pflichtspiele ohne Niederlage, erstplatziert in der Ligaphase der Conference League. Fischer warnte vor „enormer spielerischer Qualität“ und der französischen Gabe, Räume in Sekundenbruchteilen zu verwandeln. „Wenn sie durchstarten, brauchst du nicht nur Beine, sondern einen zweiten Blick“, sagte er nach der letzten Videoanalyse.
Die Nullfünfer kontern mit eigenem Turbo: vier Siege in Folge, kein Gegentor in 312 Minuten. Torwart Robin Zentner pflichtete bei: „Wir haben gelernt, die Mitte zuzumachen und trotzdem nicht zu zahnlos zu wirken.“ Die Balance zwischen Kompaktheit und Konter soll nun auch den Elsässer Laufweg ersticken.

Zwölfter mann als joker
Fischer betonte die Rolle der Fans mehrfach. „Der zwölfte Mann hat uns die ganze Zeit getragen, morgen wird er lauter sein als jemals zuvor“, sagte er und klang dabei fast wie ein Bundesliga-Pep, der weiß, dass ein einzelner Gesang den Ball eine Spur schneller ins Netz tragen kann. Die Mewa Arena ist seit 27 Jahren ausverkauft, doch die Entscheidung, ob Mainz Geschichte schreibt, fällt wohl zwischen der 75. und 90. Minute – wenn die Beine schwer werden und die Stimmen den Ausschlag geben.
Anpfiff ist um 21.00 Uhr, live auf RTL+. Wer danach noch Fragen hat, ob amiri spielt, bekommt die Antwort spätestens, wenn die Anzeigetafel die Wechsel anzeigt. Oder wenn der Coface-Park in Straßburg in einer Woche brummt – weil Mainz den Vorsprung mitnimmt.
