Mainz bekommt es mit einem phantom zu tun: racing straßburg kommt ohne panichelli, aber mit historie

Kein Franzose traf in dieser Ligue-1-Saison häufiger als Joaquin Panichelli – und genau der fehlt am Donnerstag im Mewa-Forum. Mainz 05 erwartet im Viertelfinal-Hinspiel der Conference League einen Gegner, der ohne seinen kaputten Kreuzband-Torjäger noch immer ungeschlagen durch Europa marschiert.

Racing Straßburg, 1906 als FC Neudorf gegründet, eine Straßburger Vorstadtmannschaft, die ein Jahr nach Mainz das Licht der Welt erblickte, hat die letzten 120 Jahre zweimal neu erfunden: einmal 1979 als französischer Meister, einmal 2011 nach der Insolvenz als Fünftligist. Beide Male kam der Klub zurück – diesmal mit Geld aus Stamford Bridge.

Blueco kaufte den club, nicht die seele

Seit Juni 2023 hält die Investmentgruppe um Todd Boehly die Mehrheit. Dieselben Amerikaner, die Chelsea für 5,25 Milliarden Euro übernahmen, pflanzen nun in Elsass ihr zweites europäisches Beet an. Die Bilanz: achter Platz in Ligue 1, kein einziger Europacup-Knick, dafür ein 3:1 gegen Nizza ohne Panichelli. Die Tore machten jetzt Habib Diarra und Andrey Santos, ein 19-jähriger Brasilianer, den Boehly aus London mit nach Elsasch lieh.

Die Zahlen sind schonungslos: 16 Pflichtspiele unter Gary O’Neil, nur zwei Niederlagen, 31 Tore, neun Gegentore. In der Conference League stand noch kein Gegner länger als 20 Minuten in Führung. Mainz bekommt es mit einem Kollektiv zu tun, das sich selbst regeneriert.

Deutsche fußspuren im stadion de la meinau

Deutsche fußspuren im stadion de la meinau

Libuda, Kelsch, Allofs – drei deutsche Legenden trugen das blau-weiße Trikot, aber keiner länger als eine Saison. Thomas Allofs wechselte 1989 nach elf Spielen zurück nach Düsseldorf, weil „der Charme des Elsass die Tore nicht machte“, wie er später sagte. Heute würde er bleiben: Strasbourg zahlt Ligue-1-Gehälter, baut ein neues Trainingszentrum und verkauft Tickets an 26.000 Dauerkartenbesitzer – mehr als Mainz 05.

Die Generalprobe gelang, die Angst bleibt. Ohne Panichelli fehlt der Killer, nicht das System. Mainz muss ein System finden, das dieses Phantom sichtbar macht. Denn wer Racing schlägt, spielt nicht nur ein Viertelfinale – er schlägt einen Club, der schon alles verlor und trotzdem wieder oben ist. Die Summe der Wiederauferstehung: 120 Jahre, drei Pokale, ein Meister-Titel und ein Investor, der Europa neu vermessen will.