Mainz 05 schlägt olmütz und träumt laut vom finale in leipzig

Der 1. FSV Mainz 05 hat die Europäische Nacht endgültig erobert. Mit einem 2:0 gegen Sigma Olmütz zieht der Club erstmals in ein Viertelfinale der Conference League ein – und plötzlich flüstert man im Rheinland vom „Traum von Leipzig“, wo am 27. Mai das Finale steigt.

Poschs kopfball und die sekunde, die alles veränderte

Stefan Posch traf per Kopfball, Armindo Sieb legte nach, das Mewa-Forum tobte. Doch der eigentliche Knall kam danach: Danny da Costa redete offen vom Endspiel, Posch sprach von „geilen Fans“ und „internationalem Abend, wie er im Buche steht“. In Mainz hat man gelernt, dass große Worte früher verpönt waren. Jetzt sind sie Teil des Geschäftsplans.

Die Zahlen sprechen ohnehin für sich: Noch nie überwinterte Mainz auf der europäischen Bühne, noch nie schaffte ein Mainzer Club die Runde der letzten Acht. Die 6.700 im Stadion sangen sich heiser, die Spieler feierten auf dem Rasen – und schon am Sonntag winkt das nächste brisante Duell: Rhein-Main-Derby gegen Eintracht Frankfurt. Dazwischen nur ein Atemloch von 48 Stunden.

Straßburg wartet und der abstiegskampf auch

Straßburg wartet und der abstiegskampf auch

Mit Racing Straßburg wartet im Viertelfinale ein Gegner, der Mainz technisch und athletisch herausfordern wird. Die Franzosen kamen als Gruppensieger und haben die drittbeste Defensive der laufenden Saison. Für Mainz heißt es: Umsetzung der Posch-da-Costa-Attitüde oder abruptes Ende der Märchenwoche.

Denn zwischen den Europa-Höhen herrscht Alltag. Platz 14, nur zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang. Trainer Bo Henriksen rotiert, weil er muss: Krauß fällt aus, Kohr ist angeschlagen, Caci lauert auf seine Chance. Die Physiotherapeuten arbeiten im Schichtbetrieb, die Analysten schneiden Videos von Straßburgs Pressing – und nebenan plant der Vorstand bereits Fan-Reisekonzepte für Leipzig.

Die angst vor dem fadenkreuz der geschichte

Die angst vor dem fadenkreuz der geschichte

Die Mainzer kennen die Fallstricke. 2005 schafften sie den UEFA-Cup-Überwinterer, dann folgten Jahre des bangen Wartens. 2011 und 2014 scheiterten sie in der Qualifikation gegen Gaz Metan und Asteras Tripolis – Namen, die in der Mainsand-Provinz noch immer Schweißausbrüche auslösen. Die aktuelle Truppe will jene Geisterspiele endlich austreiben.

Die Fans jedenfalls träumen laut. Am Donnerstagabend waren 6.700 im Stadion, am Sonntag kommen 30.000 – und viele werden ihre Europa-Tickets schon in der Jackentasche spüren. Die Stadt schaltet zusätzliche Straßenlaternen an der B38, die Biergärten verlängern Öffnungszeiten. Mainz verwandelt sich in ein Fußball-Mekka, ob die Liga es will oder nicht.

Am 9. April empfängt Mainz Straßburg, zwei Wochen später folgt das Rückspiel im Elsass. Wer dann noch dabei ist, darf weiter vom Finale in Leipzig träumen. Die Wahrscheinlichkeiten? Egal. In Mainz zählt nur die Tatsache, dass sie endlich Teil der europäischen Geschichte sind – und niemand weiß, wo die Reise wirklich endet.