Mailand baut 4000-eis-arena: nhl-piste, sechs mio budget – und ein traum in rossoblù
Knapp sieben Monate nach Olympia-Fieber schlägt Mailand zurück: Ab Oktober rollt der Puck in einer 5-Millionen-Tempel aus Stahl und Doppel-PVC, 5710 m², NHL-Maß, 4000 Sitzplätze. Die Meldung kommt nicht von irgendwem, sondern direkt aus dem Fondazione Fiera-Büro – und sie lässt Eishockey-Deutschland aufhorchen.
Kein hallendach, sondern ein zelt – und trotzdem liga-niveau
Die sogenannte Temporary Ice Fiera Arena entsteht nicht in einem bestehenden Messepalast, sondern als freistehende Spannkonstruktion nahe des Südtors. Zwölf Minuten Fußweg zur U-Bahn, Stahlzarge, doppelter Kondensat-schützender Planen-Mantel, 60 × 26 Meter Eis – das kostet 5 Millionen Euro, bezahlt aus eigener Tasche, keinen Cent Steuergeld. Drei Jahre Betrieb, dann rückt 2029 ein permanenter Neubau nach. Baustart Mai, Zeltaufbau Juni, Pistenfertigstellung September, Spielbetrieb Oktober. „Wir suchen noch einen Titel-Sponsor, aber die Infrastruktur steht“, sagt Präsident Giovanni Bozzetti knapp.
Andrea Gios, Chef von Federghiaccio, spricht es offen aus: „Mailand hungert nach Eis.“ Die Stadt ist Metropole der Olympischen Spiele 2026, hatte aber seit der Schließung der Agora 2021 kein vernünftiges Spielfeld. Nun bekommt sie nicht nur eine Bühne, sondern auch ein Team – und das direkt in der höchsten mittel-europäischen Spielklasse.

Hockey club milano: 32 meistersterne, neues konto, alter traum
Name steht: Hockey Club Milano. Farben: Rossoblú und Biancorosso, Milan-Wappen in der Mitte. 32 Scudetti aus den Achtziger- und Neunzigerjahren sollen wieder aufleben. Budget: rund sechs Millionen pro Saison, langfristig in die schwarze Null. Investor: Christian Leitner, Seilbahnpionier von VIPITENO, plus US-Krypto-Firma House of Doge – bekannt von der Triestina-Affäre, aber auch vom Aufstiegsklub Sierre. Hinter der Bande: Chris McSorley, 64, Kanadier, NHL-Gene, ehemaliger Genf- und Lugano-Coach, jetzt General-Manager und Head-Coach in einem.
Die ICE Hockey League – 13 Klubs aus Wien, Budapest, Laibach, Bozen, Bruneck – bekommt am 18. September Zuwachs. Die Bewerbung liegt seit März vor, Abstimmung im April. Erste Heimspiele also erst in der Fremde, aber das stört McSorley nicht: „Wir bauen keine Saison, wir bauen eine Kultur.“

Vom olympia-reserve zum nationaltorwart – und zurück
Davide Fadani, 25, Milano-Programm-Keeper und Olympia-Held, sitzt zwischen den Stühlen. Vertrag beim Kloten Flyers, Herz in der Via Palmanova. „Ich habe seit 2019 darauf gewartet, dass Mailand wieder ein Gesicht bekommt. Jetzt haben wir es“, sagt er und lächelt dabei, als wäre das Schicksal schon beschlossen. Ob er 2024/25 zwischen die Pfosten der Temporary Arena steht? „Noch ist nichts unterschrieben. Aber die Stadt ruft.“
Die Piste wird nicht nur Hockey bedienen. Eiskunstlauf-Grand-Prix, Short-Track-Nachwuchs, Sledge-Hockey gegen die Balustrade – alles ist technisch vorgesehen. Die einzige Herausforderung: Wirtschaftlichkeit. Eishockey zahlt die Hauptmiete, die anderen Disziplinen schnäuzen die Nebenkosten. Ein Business-Plan liegt vor, der Organigramm-Entwurf auch. Fehlt nur noch der Name auf dem Bandenwerbungsschild.
Die Botschaft ist klar: Mailand will nicht nur Olympisches Erbe verwalten, sondern vergolden. Und wenn schon kein Goldmedaillen-Traum, dann eben ein 32. Scudetto-Neuanfang. Die Uhr tickt – 180 Tage bis zum ersten Bully. Tickt laut.
