Magdeburg wirft schork raus – rettung oder rückschritt?
Otmar Schork ist weg. Mit sofortiger Wirkung verlässt der 68-Jährige den 1. FC Magdeburg – und das sieben Spieltage vor dem möglichen Absturz in die 3. Liga. Der Verein spricht von einer „einvernehmlichen Trennung“, doch dahinter steckt blanker Panikmodus.
Der countdown läuft: sieben spiele, null toleranz
Die Entscheidung fiel am Montagnachmittag, nachdem sich die Klubspitze tagelang im Krisenkeller verschanzt hatte. Schork, seit 2019 sportlicher Geschäftsführer, hatte den FCM zurück in die 2. Bundesliga geführt, doch die aktuelle Saison droht zur Farce zu werden. Nur 26 Punkte, Tabellenplatz 16., vier Zähler Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz – das reicht nicht, um einen alten Knochen im Amt zu behalten.
Interimslösung: Finanzchef Martin Geisthardt übernimmt kommissarisch Schorks Posten. Wer dauerhaft die sportliche Leitung übernimmt, wissen weder Präsident Jörg Biastoch noch die übrigen Gremien. „Wir werden zeitnah beraten“, heißt es lapidar in der Pressemitteilung. Zeitnah? Die Saison endet am 19. Mai.

Schorks erbe: ein verpatter sommer und vier leihflops
Der eigentliche Kratzer in Schorks Vita entstand im vergangenen Transferfenster. Mit Leipertz, Ahl-Holmström, Onaiwu und Diawara holte er vier Leihspieler, die bislang zusammen gerade einmal zwei Tore und eine Assist erzielten. Dazu die rasche Trennung von Trainer Markus Fiedler nach nur acht Spieltagen – ein Eigentor, das Schork allein zu verantworten hat. Er hatte sich auf diesen Kandidaten festgelegt, ohne Notlösung in der Hinterhand.
Die Kurve nach oben soll nun Petrik Sander zeichnen. Der Coach und sein Co-Trainer Pascal Ibold behalten ihr Büro, erhalten aber keinen neuen Sportdirektor an die Seite. Stattdessen sollen sich Spieler und Staff auf Klassenkampf konzentrieren, während die Geschäftsführung intern einen Neuanfang plant.
Was heißt das konkret für den Kader? Die Planung für 2025/26 liegt auf Eis. Vertragsverlängerungen, Neueinstellungen, Abgänge – alles wartet auf die Entscheidung der Gremien. Ein Risko, das sich Magdeburg nur leisten kann, wenn die Lizenz für die 2. Liga gesichert ist. Scheitert der Klassenerhalt, droht der finanzielle Kollaps: TV-Gelder wegbrechen, Sponsoren springen ab, der Etat schrumpft um rund acht Millionen Euro.
Schork selbst äußerte sich bisher nicht. Freunde berichten, er sei „enttäuscht, aber nicht brechend“ – ein Mann, der weiß, dass Erfolg im Fußball selten Dankbarkeit erzeugt, sondern nur den nächsten Erwartungsdruck. Für ihn endet eine Epoche, die 2021 mit dem Klassenerhalt in Liga drei begann und zwei Jahre später mit dem Aufstieg ihren Höhepunkt fand.
Die Fans reagieren gespalten. Die einen feiern den Schritt als Befreiungsschlag, die anderen fürchten das Chaos. In den sozialen Netzwerken kursiert das Hashtag #OhneSchorkOhnePlan – ein Spiegel der Unsicherheit. Am Sonnabend empfängt Magdeburg SpVgg Greuther Fürth. Drei Punkte wären ein Befreiungsschlag, nicht nur für den Klub, sondern auch für die Geschäftsführung, die bislang nur eins bewiesen hat: dass sie sich selbst schützt, bevor sie die Mannschaft rettet.
Die Zeit läuft. Sieben Spiele, sieben Endspiele. Und ein Verein, der sich neu erfinden muss – mit oder ohne Schork, aber auf keinen Fall ohne Punkte.
