Lyon trifft auf wolfsburg ohne popp – viertelfinale beginnt mit vorschußlorbeeren

Olympique Lyon kommt. Und der VfL Wolfsburg fehlt Alexandra Popp. Das Viertelfinale der Frauen-Champions-League beginnt heute (18.45 Uhr) mit einem handfesten Problem für die Niedersachsen: Ihre Kapitänin, ihre Anführerin, ihre Tor-Garantin – außer Gefecht. Muskelverletzung, „einige Wochen“, kein Einsatz. Die Nachricht schlug am Montag ein wie ein Hagelsturm im März.

Lyon reist als siegmaschine an

Die Französinnen haben zwischen 2016 und 2022 sieben von acht Final-Trophäen eingepackt. Letzte Saison scheiterten sie erst an späteren Sieger Arsenal. In der Gruppenphase lieferten sie sich mit Barça ein Kopf-an-Kopf-Rennen, landeten als Zweiter – und schon kursiert das alte Sprichwort: Wer Lyon früh trifft, trifft sich selbst. Wolfsburg dagegen schlitterte als Neunter über die Gruppenrunde, holte in sechs Spielen nur acht Punkte. Die Statistik ist ein Schrei.

Doch Zahlen lügen nicht – und sie erzählen auch nicht die ganze Wahrheit. Stephan Lerch, Trainer der Wölfinnen, stand am Montag vor den Medien und klang wie ein Mann, der gerade seinen Kompass verloren hat. „Popp ist unsere Stimme auf dem Platz“, sagte er. „In diesen Spielen wird sie lauter, präsenter, einfach größer.“ Fällt sie aus, wird die Leere größer. Neben Popp fehlt auch Lena Lattwein (Knie), Sophia Kleinherne ist noch nicht bereit. Camilla Küver steht dagegen wieder zur Verfügung – ein Lichtblick, kaum mehr.

Tv-notiz & taktik-check

Tv-notiz & taktik-check

Die Partie läuft nicht im Free-TV. Disney+ besitzt die Rechte, parallel tickert Sport1.de. Wer streamt, sieht wahrscheinlich ein 4-3-3 der Gäste, das sich in ein 3-1-6 verwandelt, sobald der Ball rollt. Wolfsburg wird wohl mit einer Fünferkette antreten, um die Außenstürmerinnen Selma Bacha und Kadidiatou Diani zu entschärfen. Die Aufgabe: früh stören, spät sprinten, zwischendurch die Seele zeigen.

Die Causa Popp beantwortet eine Frage, wirft aber fünf neue auf. Wer übernimmt Standards? Wer schreit sich in Zweikämpfe? Wer verwandelt den Druck in Tore? Die Antworten finden sich heute Abend in der AOK-Stadion – oder eben nicht. Die Wölfinnen brauchen ein Ergebnis, das ihnen in Lyon Luft verschafft. Ein 0:0 wäre ein Sieg, ein 1:1 ein Kompromiss, ein 2:1 ein kleines Fußball-Wunder.

Lyon hat nichts verlernt. Wolfsburg muss alles lernen, und zwar schneller als je zuvor. Der Ball rollt, die Uhren ticken, die Saison steht auf dem Spiel. Ohne Popp. Aber mit allem, was an Leidenschaft übrig bleibt, wenn die Führungsspielerin fehlt.