Beier will abseits abschaffen – der bvb-star provoziert die liga
Maximilian Beier hat sie alle gegen sich aufgebracht: die Abwehrbosse, die Linienrichter, vermutlich sogar seinen eigenen Trainer. „Ich würde das Abseits abschaffen – ganz egoistisch gedacht“, sagte der 23-Jährige der FAZ. Ein Satz, der in jeder Kabine für Gesprächsstoff sorgt, denn wer sonst traut sich, das Herzstück des Regelwerks einfach wegzuradieren?
Warum ein stürmer plötzlich die verteidiger fürchten lässt
Beiers Begründung klingt simpel: mehr Tore, mehr Dynamik. Die Statistik allerdings lacht. Der Dortmunder stand in dieser Saison erst einmal strafbar in der Falle – ein Witz gegenüber Ransford Königsdörffer, der 25 Mal den Platz betreten hat, weil seine Schul oder seine Ferse zwei Zentimeter zu weit vorne war. Der HSV-Flügelspieler ist deshalb der neue „King of Offside“, während der BVB als Team nur 35 Mal zurückgepfiffen wurde. Drei Klubs kassierten noch weniger Abseits-Fehler. Beier fordert also eine Revolution, obwohl seine Mannschaft ohnehin schon davon profitiert, dass sie sich selten in der grauen Zone bewegt.
Die Ironie: Wer dem Abseits den Garaus macht, bestraft gerade jene, die sich perfekt aufstellen. Keine Abseitsfalle mehr, keine perfekt gestellte Abwehrkette. Stattdessen würden Stürmer wie Beier sich hinter die letzte Linie schieben und auf den Pass warten – ein Dauer-Sprintduell statt taktischem Schach. Die Folge: Die Bundesliga würde noch mehr zu einer Tempoliga werden, in der ein einziger Fehlpass reicht, um komplett ausgespielt zu sein.

Wenger plante eine halbe revolution – und scheiterte
Beier ist nicht der Erste, der ans Regelwerk rührt. Arsène Wenger schlug 2021 vor, ein Spieler steht erst dann im Abseits, wenn kein Körperteil mehr mit dem Verteidiger auf gleicher Höhe ist. Die sogenannte „Zehennagel-Regel“ sollte die VAR-Minizeremonien beenden, bei denen Millimeter entschieden werden. Fünf Jahre später ist nichts passiert. Die Fifa fürchtet sich vor dem Bild eines Stürmers, der sich wie ein Football-Receiver hinter der Defense postiert und einfauf wartet. Fairness-Gefühl versus Spektakel – bislang gewinnt die Fairness.
Für Beier ist das ein Argument mehr, radikal zu denken. Er weiß, dass seine Abwehrkollegen ihn verfluchen würden. Er weiß auch, dass er selbst „gern mal zu Null gewinnt“. Aber er weiß vor allem eins: Wenn er als Flügelflitzer keine Linienrichter mehr fürchten muss, wird seine Schnelligkeit erst richtig gefährlich. Die Liga sollte sich warm anziehen – oder endlich über Wengers halbe Revolution neu verhandeln. Denn wenn ein Nationalspieler öffentlich nach der Abschaffung ruft, ist das kein Hirngespinst mehr, sondern ein Signal an die Regelhüter: Das Abseits hat ein Imageproblem – und seine Tage könnten tatsächlich gezählt sein.
