Lyon räumt nizza ab – eiszirkus der spiele 2030 wandert in die rhônestadt
Das Mittelmeer wird diesmal kein Eis bekommen. Das Internationale Olympische Komitee hat am Montagabend in Lausanne grünes Licht für die Verlegung aller Eissportwettbewerbe der Winterspiele 2030 von Nizza nach Lyon gegeben. Curling, Eiskunstlauf, Eishockey und Shorttrack ziehen damit in die Metropole am Zusammenfluss von Rhône und Saône – nur 300 Kilometer von der ursprünglich geplanten Location entfernt, aber Welten davon entfernt in der Atmosphäre.
Der knackpunkt hieß ciotti
Eric Ciotti, Bürgermeister von Nizza, hatte sich quer gestellt. Eine mobile Eisfläche ins Allianz Riviera des OGC Nizza zu pressen – für ihn unvorstellbar. „Wir wollten kein Konstruktionschaos im Fußballtempel“, ließ er verlauten. Schon begann ein hektisches Ping-Pong zwischen den Verbänden, das nun mit Lyon endete. Der Deal ist fix, die Details offen: Wo genau die vier Sportarten stationiert werden, entscheidet das Organisationskomitee „zu einem späteren Zeitpunkt“. Ein Kandidat liegt aber praktisch vor der Haustür: die LDLC Arena in Décines-Charpieu, direkt neben Olympique Lyons Stade.

Schnelllaufen fliegt raus – und landet in holland
Ein Extraloser im Paukenschlag: Das Eisschnelllaufen verlässt Frankreich vollständig und wird im niederländischen Heerenveen im Thialf ausgetragen. Die 40 Jahre alte Tempelarena ist längst legendär – hier schraubten Sven Kramer und Ireen Wüst Rekorde in die Eisdecke. Noch fehlt die Unterschrift der Halleneigentümer, doch das IOC rechnet fest damit. Es wäre das erste Mal seit Lillehammer 1994, dass eine olympische Eissportart komplett ins Ausland verlagert wird.
Für die Alpinelei bleibt die Heimat in den französischen Alpen: Courchevel und Val d’Isère behalten Riesentorlauf, Slalom und Abfahrt – sowohl für Technik als auch für Speed.

Preis: 200 millionen und ein diplomatisches flickwerk
Französische Medien sprechen von rund 200 Millionen Euro zusätzlichem Etat, um die neue Infrastruktur in Lyon zu stemmen. Die kurzfristige Umbuchung sorgt für diplomatischen Zündstoff: Die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur verliert einen Image-Booster, die Metropole Lyon gewinnt ihn. IOC-Präsident Thomas Bach sprach von „einer flexiblen Lösung im Sinne der Athletinnen und Athleten“ – diplomatisch für: Wir retten, was noch zu retten ist.
Der Countdown läuft. In vier Jahren sollen in Lyon erstmals olympische Medaillen auf Eis vergeben werden. Nizza schaut von der Riviera aus zu – und wärmt sich am Mittelmeer-Sonnenschein.
