Pogacar zieht del toro die krone vom kopf – und lipowitz macht ernst

Tadej Pogacar schickt der Radsport-Welt nur noch ein einziges Signal vor der Tour de France: Ich bin der König, und es gibt keinen Thronfolger. Sein Solo-Gewinn bei der Tour de Suisse war kein Showlauf, sondern eine Machtdemonstration. Der Slowene riss das Rennen mit drei Etappensiegen und einem Vorsprung von 6:32 Minuten auf Richard Carapaz völlig auseinander – der größte seit 67 Jahren.

Pogacar zieht die grenze – und trifft isaac del toro mitten ins herz

Die Botschaft ist laut und klar. Isaac del Toro hatte vergangene Woche die Auvergne-Rhône-Alpes-Rundfahrt dominiert und als legitimer Nachfolger im UAE Team Emirates-XRG gefeiert. Pogacar antwortete auf der Straße. Jens Voigt beim Eurosport-Mikro: „Er wollte dem Team sagen: Isaac, du bist der Kronprinz, aber noch nicht der König.“ Das brutale Tempo in den Alpenpässen war der Handschlag eines Monarchen, der seine Krone verteidigt.

Der Trick: Pogacar fuhr nicht nur für sich, er fuhr gegen Del Toro. Die 6:32 Minuten Vorsprung? Ein Statement. Der Mexikaner schaute im Fernsehen zu. Die Stimmung im Lager UAE dürfte klirren.

Florian lipowitz liefert – und zwingt deutschland zum jubeln

Florian lipowitz liefert – und zwingt deutschland zum jubeln

Während Pogacar seine Grenzen neu zog, zog Florian Lipowitz mit dem Gesamtsieg bei der Tour of Slovenia eine eigene Linie. Der 25-jährige Ulmer attackierte auf der Königsetappe mit einer Attacke, die den Kollegen aus der Rolle warf. „Das war keine Überraschung, sondern eine Ansage“, so Voigt. „Viele haben erwartet, dass er gewinnt. Der Druck war gigantisch – und er lieferte ab.“

Lipowitz hatte schon im Frühjahr Podiumsplätze bei Katalonien, Baskenland und Romandie geholt. Nur der Sieg fehlte. Nun ist er der dritte Deutsche, der dieses Jahr eine World-Tour-Vorbereitung gewinnt und mit seinem Team Red Bull-Bora-hansgrohe ein echtes Ass im Ärmel für die Tour.

Teamtaktik als trumpf: pellizzari opfert sich für lipowitz

Teamtaktik als trumpf: pellizzari opfert sich für lipowitz

Besonders beeindruckt Voigt die harmonische Arbeit auf der vierten Etappe: „Giulio Pellizzari hat sich komplett für Lipowitz aufgeopfert. Beide rollten Arm in Arm über die Linie – das ist pure Teamchemie.“ Ohne Pellizzari in Frankreich wird Lipowitz auf neue Helfer setzen müssen.

Die Frage bleibt: Kann Pogacar in der Tour de France (4.–26. Juli) dieselbe Dominanz zeigen – oder nutzt Lipowitz die Schwächephase, die der Slowene nach seinen drei Monument-Siegen dieses Frühjahrs hatte? Die Antwort kommt auf den Straßen Frankreichs.

Wer in zwei Wochen die gelbe Trikot trägt, wird sich nicht nur im Sattel entscheiden, sondern auch im Kopf. Pogacar hat jedenfalls schon einmal nachgelegt.