Luke littler packt aus: „ich will phil taylors rekorde pulverisieren“
19 Jahre, Weltmeister, Bodyguard-Pflicht – und trotzdem steht Luke Littler noch in Flip-Flops vor dem Kühlschrank. Im BILD-Interview blickt der Teenager hinter die Kulissen eines Hypes, der sich selbst überholt.
„Ich bin lieber dartspieler als promi“
Die Zahlen sind absurd: 16 Weltmeistertitel hält Phil Taylor, Littler hat einen. Der Abstand beträgt 15 Trophäen – oder gerade mal 45 Sätze Steel-Dart, wenn man so rechnet. „Ich will die längste Zeit an der Spitze“, sagt Littler und klingt dabei, als bestellte er einen Kaffee. Coolness? Die sitzt offenbar tiefer als der Triple-20.
Den Rummel versucht er mit rigoroser Kalender-Kur zu begrenzen. Turniere wandern auf die Streich-Liste, Wochenenden werden freigekauft. „Am Ende bin ich derjenige mit den Terminen, während die anderen im Hotel Netflix schauen“, lacht er, aber der Unterton ist müde. Bodyguards in England, anonyme Hotelzugänge, keine Spontankneipe mehr – der Preis für den Titel ist bar bezahlt.

„Buhrufe? egal, ich gewinne trotzdem“
Er erinnert sich an Dublin: 8.000 Zuschauer, jedes seiner Würfe wird ausgepfiffen. Er gewann 7:2. „Man muss es ausblenden“, sagt er und beschreibt kein Mind-Game, sondern eine simple Schalteinrichtung im Kopf. Zweieinhalb Jahre hat er gebraucht, bis sie sitzt. Andere Spieler bauen sich Mantras auf, Littler schaltet auf stumm.
Die Episode in Göttingen – deutsches Publikum, lautstarker Protest, Unterbrechung – kommentiert er mit einem Schulterzucken. „Manche Spieler werden eben nicht gemocht.“ Er selbst? Steht längst auf der Liste der Unbeliebten, weil er zu schnell, zu jung, zu gut ist.

United-serie oder fünf wm-titel – was zuerst kommt
Die Neckerei über Manchester United wirkt wie ein Inside-Joke mit sich selbst. Fünf Siege in Folge schafft der Klub seit Februar 2024 nicht – fünf Weltmeisterschaften hintereinander noch nie ein Mensch. Littler lacht, aber er hat den Blick schon auf Dezember 2029 gerichtet. Dann wäre er 24 und könnte Taylor mit der Hälfte der Zeit einholen.
Die Familie liefert den Gegenpol. Zu Hause in Warrington ist er „nur“ der große Bruder, der die Xbox anschmeißt und Pizza bestellt. Die Mutter bucht die Flüge, der Vater checkt die Turnierlisten – ein Familienbetrieb inklusive Weltspitze.
Und wenn ihn jemand fragt, ob er schon mal am Rande des Kollaps stand? „Viele Flugmeilen, viele Wartezeiten“, sagt er. Mehr gibt er nicht preis. Denn Druck spürt er nur in einem Moment: wenn die Scheibe 2,37 Meter entfernt hängt und 20 Sekunden Schussuhr laufen. Den Rest regelt der 19-Jährige eben aus – oder er wirft ihn einfach weg.