Lukas dauser steht nicht mehr auf der matte – und straubenhardt turnt trotzdem alle nieder
Der Weltmeister sitzt am Spielfeldrand, die Hände voller Magnesium, der Blick voller Absicht. Lukas Dauser, einst Herr über die Barren, ist am Sonntag nur noch Herr über die Stoppuhr – und das reicht, um Schwäbisch Gmünd-Wetzgau mit 64:11 zu zerlegen. Die KTV Straubenhardt feiert ihren höchsten Ligaauftaktssieg seit Einführung der 3er-Serie, Dauser feiert sich selbst in der neuen Rolle: Teammanager, Taktiker, Seelenklempner.
Ein duell, das vorher schon entschieden war
Die Gäste reisen mit acht statt zehn Turnern an, ohne Ausländer, ohne Chance. Illja Kowtun, ukrainischer Olympia-Zweiter und Straubenhardts Import-Ass, braucht für seine vier Übungen gerade einmal 26 Minuten – und trägt trotzdem 13 Punkte zum Endstand bei. Direkt nach seinem letzten Salto verlässt er die Halle, Koffer in der Hand, Flughafen im Nacken. Die Fans ahnen: Gesehen haben sie gerade einen Mann, der in einem Jahr wieder in kroatischen Farben startet, aber nie mehr so nah.
Nils Dunkel, Barren-Europameister 2025, lacht im Mixed-Zone-Gang: „Wir haben heute nur aufgepasst, dass niemand rutscht.“ Die Analyse klingt nach Spaß, ist aber Programm. Straubenhardt will im Mai zum vierten Mal in Folge Deutscher Meister werden – nie schaffte das im Frauenturnen eine Mannschaft, im Männerbereich nur der KSV Halle 2003-2006. Dausers Kommentar fällt knapp aus: „Wir haben die Liga soeben eine Runde weiter gedreht.“

Der trainer ist tot, es lebe der teammanager
Den Job des Chefuni-Onkel gibt es nicht mehr. Stattdessen schleppt Dauser Matten, checkt mit Uhr und Tablet die Einsatzzeiten, schickt auf Warnrufe via Smartwatch. „Ich habe meine Knöchel nicht einmal warm“, sagt er, „aber mein Puls liegt bei 120.“ Die Erkenntnis: Man kann auch außerhalb des Wettkampfgurts Adrenalin verschenken. Und er verschenkt es reichlich: nach jedem Gerät ein Satz, nach jedem Satz ein Schulterklopfer, nach jedem Schulterklopfer ein Blick Richtung Punktetafel, die langsam wie ein Aktiencrash nach unten rattert.
Die Konkurrenz schaut. TV Wattenscheid, TK Hannover, KTV Leipzig – alle haben sie internationale Stars, keiner hat einen Weltmeister auf der Bank. Dausers Meisterstück heißt „Kowtun-Effekt“: ein ukrainisches Zugpferd, das sich trotz Wechselstreitigkeiten frei kaufen lässt, wenn die Halle stimmt. Der Verein zahlte laut Insider 30.000 Euro Startprämie – eine Investition, die sich nach 90 Minuten amortisiert hatte.
Am Ende steht ein 53-Punkte-Vorsprung, ein Jubelbad in der Conweiler Turnhalle und eine Erkenntnis: Wenn der ehemalige König den Thron räumt, baut das Reich darunter manchmal erst richtig auf. Straubenhardt turnt weiter, Dauser jubelt still. Die Meisterschaft ist noch nicht entschieden – aber die Liga weiß jetzt, wer das Tempo vorgibt.
