Löwen-frankfurt schießt sich selbst ins abstiegsloch

Der Song lief noch nicht zu Ende, da hatte der Stadion-DJ schon den Fader runtergedreht. „You never walk alone“ war am Sonntag in Frankfurt kein Schwur, sondern ein Stolperstein. Denn die Löwen, Tabellen-Vorletzte der DEL, feierten sich nach der 3:4-Heimpleite gegen Nürnberg trotzdem – als wäre das Minimalziel Klassenerhalt eine Meisterleistung. Die Szene passt wie ein fehlerhafter Pass aufs Breakaway: hilflos, halbherzig und ein bisschen peinlich.

Rowe raus, pokel rein – und ein kader, der nicht trifft

Es begann mit Tom Rowe, endete mit Tom Pokel und einer Offensive, die nur einen Klub hinter sich ließ: 127 Tore in 52 Spielen – das ist die zweitschwächste Ausbeute der Liga. Die Zahlen sind kein Ausrutscher, sie sind ein Spiegel. „Wenn man dieses Tempo nicht mithalten kann, wird man es in der Liga schwer haben“, sagt Pokel nach dem letzten Spiel. Er sagt es so, als hätte er die Erkenntnis erst vor fünf Miniten gewonnen. Dabei war sie schon im Oktober absehbar, als Rowe nach dem 0:8 in Ingolstadt entlassen wurde und die Tore ausblieben wie die Fans in der zweiten Periode.

Die Transferbilanz liest sich wie ein Lehrbuch für „How not to build a roster“. Jussi Olkinuora weg, kein adäquater Ersatz. Cody Brenner verletzt. Mirko Pantkowski und Rodion Schumacher rotierten, bis sie sich selbst nicht mehr kannten. Dann kam Dustin Tokarski – 5 Spiele, 4,57 Gegentore pro Einsatz, bye-bye. Die Defensive kassierte, die Offensive vergab. Matthew Wedman war mit zwölf Treffern „Topscorer“, Rang 61 Liga-weit. Das sagt mehr über den Rest als über Wedman.

Junior des jahres als einziger lichtblick

Junior des jahres als einziger lichtblick

Die einzige Geschichte, die man erzählen will ohne zu schlucken, heißt Fabio Kose. 19 Jahre, Verteidiger, 25 Punkte, „Junior des Jahres 2026“. Er spielt, als hätte er die DEL erfunden, während die Profis um ihn herum nach Anleitung schlittern. Mit Zwillingsbruder Timo hat der Klub zwei Zukunftsbaukästen unter Vertrag – ein kleines Märchen inmitten der Groteske.

Sportdirektor Jan Barta verspricht: „Wir kommen besser zurück.“ Pokel ergänzt: „Wir freuen uns auf eine andere Mission.“ Klingt nach Neuanfang, ist aber ein Euphemismus für „Wir haben keine andere Wahl“. Denn die DEL schläft nicht. Dresden konnte man sich als Retter einschieben, doch nächstes Jahr gibt es vielleicht keinen Dresden. Dann stehen die Löwen wieder auf dem Eis, das sie sich selbst dünn gebohrt haben – und der DJ wird wieder einen Song stoppen müssen.