Lizarazu zerreißt fifa-trinkpause: „getarnte werbepause statt spielkultur“

Die FIFA knickt vor den TV-Milliarden ein, der Fußball kriegt einen Schnaps. Bixente Lizarazu spart nicht mit Spott: Die zwangsweise Trinkpause bei jeder WM-Partie 2026 ist für ihn „ein Eingriff in die DNA des Sports“. Der Franzose erinnert daran, dass ein Spieler früher einfach eine Flasche an die Seitenlinie stellte – fertig. Heute braucht man dafür eine Regel, einen Sponsorenblock und einen Countdown auf der Großleinwand.

Warum lizarazu die glocke zum gespött macht

Warum lizarazu die glocke zum gespött macht

Der ehemalige Bayern-Linksverteidiger schreibt in L’Équique, die Pause nach 22 und 67 Minuten sei „eine Logik der Zerstückelung“. Die Argumente der FIFA – Spielergesundheit, Hitze, Gleichbehandlung – seien „alibihaft“. Fakt ist: Die TV-Sender dürfen in diese drei Minuten werben, entweder im Splitscreen mit FIFA-Sponsoren oder vollständig. Die Uhr bleibt stehen, der Spielfluss bricht ab, die Trainer kriegen zusätzliche Taktiktime-outs. Lizarazu: „Das ist American Football light, nur ohne Helm.“

Die FIFA hatte die Regel im September verkündet, nachdem bei der Klub-WM in Saudi-Arabien Temperaturen von über 40 Grad herrschten. Dort beklagte Niko Kovac, seine Spieler würden „wie Grillhähnchen gebraten“. Doch Lizarazu winkt ab: „Wir haben in der Hölle von Madrid gespielt, ohne dass jemand die Uhr anhielt.“ Für ihn ist die Pause ein Präzedenzfall: „Wenn wir jetzt schon die 45-Minuten-Rhythmik aufbrechen, was kommt als Nächstes? Eine Strategie-Time-out wie in der NBA?“

Die Dramaturgie leidet, sagt der 56-Jährige. Teams, die gerade Druck machen, verlieren ihre Schlagzahl. Teams, die sich verstecken, schnaufen auf. „Der Underdog bekommt zwei kostenlose Atempausen, der Favorit wird ausgebremst.“ Die FIFA verspricht, dass die Pause „weder wetter- noch temperaturenbunden“ ist. Klingt nach Gleichbehandlung, wirkt wie Planwirtschaft. Lizarazu fürchtet, „Spontaneität und Kreativität“ würden abtreten gegen „Commerce und Controlling“.

Sein Lieblingsspieler der Stunde heißt Michael Olise. „Weil er die modernen Codes bricht“, sagt Lizarazu. Genau diese Codes will die FIFA jetzt in ein Werbeformat pressen. Die Uhr tickt, die erste Trinkpause kommt am 11. Juni 2026 in Dallas. Dann wird sich zeigen, ob der Protest des Franzosen nur ein letztes Aufbäumen ist – oder der Beginn einer Rebellion gegen die Kommerzialisierung des Spiels.