Littler fliegt in berlin mit 108-average ein und schickt mvg nach hause
12.000 Zuschauer in der Uber Arena, ein 17-Kracher im Finale gegen Michael van Gerwen, ein Berliner Bär in der Hand: Luke Littler hat am achten Premier-League-Abend der Saison die deutsche Hauptstadt in seinen Bann gezogen – und sich dabei selbst die größte Sorge seiner Eltern vom Leib gerissen.
Angefeindet statt angefeiert: Seit seinem Breakthrough vor zwei Jahren buhlen deutsche Fans gegen den jungen Engländer, ohne dass je ein konkreter Grund nachvollziehbar war. European-Tour-Termine in Hildesheim, Hamburg oder München ließ er deshalb bewusst sausen. Doch am Donnerstagabend drehte sich innerhalb von 90 Minuten das Blatt.
„Wir haben schlimmeres erlebt“ – wie die eltern den sinneswandel miterlebten
Lisa und Anthony schlichen sich nach Mitternacht durch ein Rolltor hinter der Bühne, unscheinbar, fast schon flüchtig. „Ach, so schlimm war es heute Abend gar nicht“, sagte Lisa Littler, als wir sie vor dem Abmarsch auf die Stimmung im Block ansprachen. Der Grund für ihre Erleichterung: Pfeifkonzerte verwandelten sich in Partygesänge, als ihr Sohn Averages von 106 und 108 auflegte und damit selbst flüchtige Kritiker in Jubelbrüller umwandelte.
Der 19-Jährige selbst nahm das Mikro, noch bevor das Konfetti landete: „Es hat sich sehr gut angefühlt auf der Bühne. Ich wollte es einfach mit einer 170 beenden.“ Der Big Fish als Sahnehäubchen – schließlich war der reine Sieg gegen van Gerwen schon beim 5:1-Stand langweilig geworden.

Warum littler trotz liebesbewegen weiter deutsche termine streicht
Die Berlin-Show war seine dritte Tageskrone binnen vier Wochen, katapultiert ihn an die Tabellenspitze der Premier League und liefert das nächste Argument für die Ruhephase, die er sich gönnt. European-Tour-Events wie das Osterturnier in München bleiben tabu, um im eng getakteten Kalender Atempausen mit der Familie zu wahren. Die einzige Ausnahme: Oktober, Dortmund, European Championship. Dort fehlt ihm als einziges Major noch der Titel – und genau das treibt ihn an.
TV-Experte Wayne Mardle brach nach dem Abpfiff in ein schlichtes „You are f*ing fantastic!“ aus. Vier Wörter, die wie ein Ritterschlag klangen. Denn selbst die Altmeister erkennen an, dass Littler gerade das Feld ein Jahr nach seinem Einstand neu vermisst. Bleibt die Frage, ob die deutschen Fans künftig pfeifen oder mitsingen. Nach diesem Abend in Berlin dürfte es für Ersteres schwerer fallen.
