Lipowitz zündet pogacar-kopie: weniger rennen, mehr sprint-knall für die tour
Florian Lipowitz tritt zurück, um voranzukommen. Der 25-Jährige hat seinen Kalender radikal gestrichen, die Katalonien-Rundfahrt ist nur noch ein Trainingsritt auf 2.000 Metern – und erstmals Testzug mit Remco Evenepoel an Bord.
Statt programm-häufung: pogacar-modell mit deutscher präzision
Die Lektion kommt aus dem Hause Red Bull-Bora-hansgrohe: Weniger Startnummern, dafür mehr Qualität. Lipowitz’ Leistungsdiagnostik zeigt eine Lücke bei fünf- bis zehnminütigen Power-Sprints – genau dort, wo Tadej Pogacar in den Ardennen regelmäßig das Rennen spaltet. Also kopiert man den Slowenen, indem man ihn vermeidet. Statt Paris–Nizza, Baskenland und Dauphiné 2025: ein reduziertes Paket, dafür Labor-Blocks auf Mallorca, Hochlagenblock in Sierra Nevada.
Die Rechnung ist simpel: Jeder zusätzlicher Wettkampftag frisst Hormonreserven, die er nach seiner Juli-Grandeur braucht. „Der Stress stieg mit jedem Podium“, sagt Lipowitz im Gespräch mit der Sport Bild. „Wenn du nach der Tour nicht leer sein willst, musst du vorher Löcher bohren und nicht schon das ganze Haus abreißen.“

Hochplateau von vallter: erste schule für evenepoel-lipowitz
Morgen geht’s auf 2.143 Meter zum Vallter 2000 – die Steigung, die 2013 sogar Contador schmerzte. Evenepoel will Balance zwischen Aggressivität und Defensive testen; Lipowitz sucht Antwort auf eine Frage, die ihm niemand stellt: Wie reagiert sein Körper auf Sauerstoffmangel, wenn er zehn Sekunden Vollgas geben muss? Die Antwort liefert die Datenbrille: Herzfrequenz, O2-Sättigung, Laktat – alles live an die Sportdirektoren.
Ein Podium in Barcelona wäre schön, verzichtbar. „Erfolg ist, wenn wir dieselbe Sprache fahren“, sagt der Oberbayer. Gemeint ist Code für Fahren auf Sicht, nicht auf Klassement. Denn wer in Girona die rote Laterne trägt, darf im Juli in Berlin trotzdem Weiß tragen.
Ein Blick auf die Zeitenlisten: Bei der Mallorca-Challenge lag er im Teamzeitfahren mit Evenepoel 0,8 Sekunden vor Ayuso-Trupp – Mini-Vorsprung, Maxi-Moral. In Algarve wurde’s Platz acht, 2:14 Minuten Rückstand. Die Lücke klingt groß, ist aber ein Lehrgeld: Ayuso fuhr fünf Wochen nonstop, Lipowitz nur drei – und sparte 42 Rennkilometer pro Etappe.

Die saison danach: wm-verzicht als trumpf
Nach seiner Tour-Premiere 2025 brannte die Kerze runter: keine Top-10 mehr, Startnummer für die WM in Ruanda abgegeben. Diesmal soll das Finale erst im Oktober kommen, wenn die Pyrenäen längst vergessen sind. Dafür steht ein Block auf der Deutschen Meisterschaft und – wenn die Beine es erlauben – der Grand Prix von Québec, wo kurze Steigungsattacken zählen.
Die Katalonien-Rundfahrt endet am 25. März. Dann fliegt Lipowitz für zehn Tage nach Mexiko-Stadt, 2.240 Meter Höhe, um die Sauerstoffkurve flacher zu machen. Die Uhr tickt – 102 Tage bis Berlin, 103 bis er das Weiße Trikot verteidigt. Und er weiß: Wer den Frühling überlebt, ohne sich zu verausgaben, der darf im Sommer die Geschichten schreiben.
