Linus leitz unterschreibt bis 2029: dormagens nächster rückraum-juwel macht den sprung
Der TSV Bayer Dormagen verpflichtet sich früh, verpflichtet sich fest. Mit Linus Leitz haben die Rheinländer ihren eigenen U19-Europapokal-Debütanten für drei weitere Jahre an die Schnellstraße 56 gebunden – ein Transfer, der lautet wie ein Statement: Wir bauen nicht nur um, wir bauen mit Eigengewächs.

Der 17-jährige ist kein geheimtipp mehr
Seit Wochen war klar, dass der Rechtshänder dem Chaos der Talente-Shopping-Listen entkommen will. Jetzt liegt ein Kontrakt bis 2029 vor, ab 2026/27 springt Leitz in den Perspektivkader, danach soll er in der 2. Bundesliga durchstarten. Für ein Debüt im Oberhaus reicht’s noch nicht, aber die Marschroute steht: Erst lernen, dann leiten.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 34 Treffer in 19 A-Jugend-Partien, fünf Nominationen für die DHB-Jugendnationalteams, 1,86 Meter, 82 Kilo, ein erster Schritt Richtung Profi-Physik. „Ich will hier meine DNA verankern“, sagt Leitz, der sich die Haare seit der E-Jugend nicht mehr hat schneiden lassen – das Neckband dagegen ist neu, ein Geschenk des Stoffel-Trainers für die erste Nationalmannschaftsfahrt.
Julian Bauer, der Mann, der in Dormagen seit diesem Sommer das Sagen hat, spricht vom „perfekten Timing“. Der Coach braucht Spieler, die seinen Gegenstoß-Handball mit vertikalem Passspiel bedienen können. Leitz’ Ein-gegen-Eins-Quote liegt laut interner Analyse bei 62 Prozent – im Oberliga-Team der U23 schon über 70. „Er denkt Handball, er atmet Handball“, sagt Bauer und deutet damit an, dass der Junge nicht nur aufläuft, sondern liest.
Die Ablöse: null Euro. Die Perspektive: ein möglicher sechsstelliger Marktwert, sollte der Kurs halten. Denn der Klub sichert sich mit dem Vorvertrag auch ein Führungsrecht, sollte ein Erstligist klingeln. Ein Detail, das in der Pressemitteilung nur in Nebensätzen auftaucht, aber intern für Hochgefühl sorgt.
Für Leitz beginnt jetzt der harte Teil: Früh um sechs Athletik, danach Schule, abends Doppelpass. Wer denkt, ein Vertrag sei Ziel, irrt – er ist Eintrittskarte in einen neuen Stresslevel. Bauer will seine Entscheidungsgeschwindigkeit auf unter 0,7 Sekunden drücken, die Belastungsfähigkeit auf 180 Pulsminuten hochschrauben. Der Spieler selbst spricht von „meinem Gap-Year mit Muskelkater“.
Die Fans freuen sich trotzdem. Denn in Dormagen weiß man: Wer hier unterschreibt, bleibt selten länger als nötig, aber oft länger als erwartet – und wenn er geht, dann mit einem Preisschild, das den nächsten jungen Wilden wieder finanziert. Ein Kreislauf, der seit Jahren funktioniert. Leitz ist nur das jüngste Rad in der Kette.
