Ligue 1: abgrund statt aufschwung – droht das ende der französischen liga?

Die Ligue 1 taumelt am Rande des finanziellen Abgrunds. Während Top-Klubs weltweit in Transferrekorde investieren, häuft die französische Liga Verluste in astronomischer Höhe an. Jean-Marc Mickeler, Präsident der Direction Nationale du Contrôle et de la Gestion (DNCG), warnt vor einer düsteren Zukunft: Bis 2026 könnten die operativen Verluste die Milliardengrenze erneut übersteigen.

Ein system im würgegriff des paris saint-germain

Ein system im würgegriff des paris saint-germain

Die Lage ist ernst. Allein in der Saison 2024-2025 summierten sich die operativen Verluste der 36 Klubs in der ersten und zweiten Liga auf satte 1,4 Milliarden Euro, mit einem negativen Jahresüberschuss von über 540 Millionen Euro. Ein Großteil dieser Defizite wird durch den Verkauf junger Talente aus den eigenen Nachwuchsakademien aufgefangen – eine Praxis, die für viele Klubs zur Notwendigkeit geworden ist. Doch es gibt einen Ausweg, der dem Paris Saint-Germain (PSG) vorbehalten zu sein scheint. Der Verein, dessen Präsident Nasser Al-Khelaifi die Fäden zieht, kontrolliert schätzungsweise 38 Prozent der gesamten Einnahmen der Ligue 1. Ein eklatantes Ungleichgewicht, das die Wettbewerbsfähigkeit der Liga massiv beeinträchtigt.

Die DNCG räumt zwar ein, dass einige Klubs in den letzten Jahren Anstrengungen unternommen haben, um die finanzielle Situation zu stabilisieren – etwa durch eine Reduzierung der Gehaltsaussagen um 25 Prozent in der ersten Liga – die Probleme sind tiefgreifend. Saison für Saison muss die DNCG administrativ Klubs absteigen lassen, und immer wieder verschwinden Vereine aufgrund finanzieller Schwierigkeiten komplett. Die Lage erinnert an eine tickende Zeitbombe.

Ein möglicher Lichtblick könnte die Umlage der internationalen Einnahmen sein. Die aktuelle Regelung, bei der die europäischen Klubs die Einnahmen unter sich aufteilen, wird von vielen als ungerecht empfunden. Mickeler signalisiert, dass die DNCG eine Änderung begrüßen würde. Doch die katastrophale Entwicklung der TV-Einnahmen, die nach dem Ausstieg von Mediapro und den nachfolgenden Fehlentscheidungen der LFP um mehr als die Hälfte eingebrochen sind, wirft einen langen Schatten.

Die französische Nationalversammlung wird am 18. Mai über einen neuen Rahmen für den französischen Fußball beraten. Dabei könnte ein Modell nach englischem Vorbild – ein unabhängiger Regulierer – diskutiert werden. „Die Gesetzesinitiative kann Bedingungen für eine bessere Governance schaffen“, so Mickeler. Die Frage ist, ob diese Maßnahme zu spät kommt, um die Ligue 1 vor dem endgültigen Kollaps zu bewahren.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Ligue 1 befindet sich in einer existenziellen Krise. Ob die neuen Initiativen ausreichen werden, um den Abwärtstrend zu stoppen, bleibt abzuwarten. Ein Fakt ist jedoch unbestreitbar: Solange das System durch den Dominanz des PSG verzerrt wird, wird die Ligue 1 weiterhin ein Spiel mit dem Feuer bleiben.