Lieberknecht will var abschaffen: „keine einheitliche linie“ nach fck-debakel
Torsten Lieberknecht flog in der Pause vom Platz, der 1. FC Kaiserslautern verlor 1:2 gegen Paderborn – und jetzt fordert der Coach die Abschaffung des Video-Assistenten. „Es gibt keine einheitliche Linie“, schimpft er und wettert gegen ein System, das „komplizierter wird statt besser“.
Halbzeit-rauswurf kostet nerven – und wohl die aufstiegshoffnung
Der Schiri hatte gerade die Pausensignalpfeife aus dem Mund genommen, da sprintete Lieberknecht schon auf Florian Exner zu. Gelb. Dann Rot. 52 Sekunden später saß der Trainer im Katakombengang und hörte, wie die Kurve über ihm verstummte. Die Szene beschleunigte den Absturz der Roten Teufel: Nach der 1:2-Heimpleite liegen sie acht Punkte hinter Platz drei, die Restsaison wird zur Ehrenrunde.
„Ich habe nicht gut geschlafen“, sagt er am Morgen danach. „Nach Niederlagen grübelt man mehr als nach Siegen.“ Die Grübelei dreht sich um mehr als nur die eigene Dummheit. Sie dreht sich um ein ganzes System. Freistoß zum 0:1, strittig. Elfmeter zum 0:2, noch strittiger. Beide Male war der VAR eingeschaltet, beide Male blieb Exner bei seiner Entscheidung – und genau das ist für Lieberknecht der Skandal.

Var? „ein fehler im system“
Er ballt die Faust, als er das Wort „einheitliche Linie“ ausspuckt. „Trotzdem ist die Diskussion total müßig, weil wir den VAR nicht mehr abschaffen werden“, sagt er, zieht aber trotzdem den Schlussstrich: „Ich plädiere für die Abschaffung – wohlwissend, dass das nicht kommen wird.“
Die Zahlen geben ihm recht. In dieser Zweitliga-Saison wurden 94 Entscheidungen korrigiert – 38 davon innerhalb von drei Spieltagen. Kein Schiedsrichter weiß mehr, wann er pfeifen darf, wann er schweigen muss. „Die entscheiden oftmals intuitiv richtig“, sagt Lieberknecht. „Dann wird aus Kölner Büro nachgebessert und alles verwirrt.“

Bochum ohne bock – und ohne coach
Am Freitag gastiert der VfL Bochum auf dem Betzenberg. Lieberknecht wird auf der Tribüne sitzen, Sperre. „Das ist auch wieder eine Hausnummer“, sagt er und lacht bitter. „Aber wir haben zehn Spiele, 30 Punkte. Solange es theoretisch möglich ist, lege ich nichts ad acta.“
Theoretisch. Das Wort hängt wie ein Nebel über dem Trainingsgelände. Denn selbst wenn der FCK alle neun Nachholspiele gewänne, bräuchte er Schützenhilfe von drei Konkurrenten. Die Realität sieht anders aus: 21 Gegentore in den letzten zehn Partien, zwei Siege seit Weihnachten, ein Trainer, der nachts vom Schiri träumt.
„Man muss authentisch bleiben“, sagt Lieberknecht. Authentisch heißt: Er wird weiter schreien, weiter grübeln, weiter gegen Windmühlen kämpfen – und weiß, dass der VAR morgen noch da ist. So wie die Niederlage. So wie die nächste schlaflose Nacht.
