Como-inter: coppa-semifinale wird zum k.o.-duell für chivus letzte chance
Der Blick auf den Spielplan brennt in Simone Inzagis Hosentasche. Dienstag, 21 Uhr, Stadio Sinigaglia: Für Inter beginnt die Endphase ohne nette Nebenwette. Champions-League-Aus, Liga-Vorsprung auf dem Papier, doch der Pokal ist jetzt ihr einziges Ventil.
Fabregas will den traum, chivu braucht den titel
Como hat am Wochenende Lecce 3:1 gedemütigt und auf Platz fünf geklettert – 48 Punkte, nur drei weniger als der Vierte. Für Cesc Fabregas ist die Coppa Italia keine Nebensache, sondern die Visitenkarte für eine Saison, die noch größer enden könnte als gedacht. Sein Gegner steht dagegen mit dem Rücken zur Wand: Nach dem 2:4 in Bodo ist Inter raus aus Europa, und die Klubführung hat intern kommuniziert, dass der Pokal „Pflicht“ ist.
Verletzungspech zwingt Inzaghi zur Rochade. Lautaro Martinez fällt aus, Bonny ebenso. Marcus Thuram und der 19-jährige Pio Esposito sollen die Spitze bilden – ein Duo, das noch nie zusammen von Anfang an spielte. Dumfries und Calhanoglu kehren zurück, doch ihre Frische ist ein Kompromiss. Como setzt auf dieselbe Startelf, die Lecce zerlegte: Cutrone, Da Cunha, Mazzitelli – ein Mittelfeld, das seit fünf Spielen nicht mehr zuhause verloren hat.

Der head-to-head-faktor trügt
In den letzten fünf Duellen gewann Inter klar, zuletzt 4:0 im Dezember. Doch diese Bilanz ist Makulatur. Como hat seit 14 Heimspielen nur einmal verloren – gegen Atalanta im Oktober. Die Quote auf „Beide Teams treffen“ fiel bei Admiralbet und Co. von 1,85 auf 1,70, weil die Buchmacher Fabregas’ Offensivdruck nicht ignorieren können. Wer auf ein 1:1 wettet, bekommt zwischen 6,40 und 6,50-faches Geld – ein Remis, das beide Trainern recht wäre, weil es die Entscheidung ins zweite Spiel nach Mailand schiebt.
Der Knackpunkt wird die Mitte sein. Inter spielt ohne Ballgewinner Brozovic, dafür mit Barella als einziger Sechser. Como drückt in einem 4-2-3-1 früh und lässt die Außenverteidiger bislang nie allein. Die Lücke entsteht zwischen den Linien – dort lauert Nicolas Paz, 20 Jahre alt, Sohn von Pablo, mit bereits sieben Torbeteiligungen in dieser Serie A. Wer ihn stoppt, besitzt den Schlüssel.
Die Tribüne wird kochen: 13.500 Tickets weg, Restkapazität in kompakten Blöcken. Como-Fans planen eine Choreo mit 60 Metern Stoff, Motto: „Il lago non si inchina“. Inter-Anhänger antworten mit einem Spruchband, das an die 4:0-Erinnerung anknüpft – Provokation pur. Die Polizei kettelt die Gäste-Ecke ein, weil bei der letzten Auswärtsfahrt nach Genua 23 Rauchenpäckchen und zwei Megafonen beschlagnahmt wurden.
Entscheidend wird die 75. Minute. In acht der letzten zehn Inter-Spiele fiel zwischen Minute 75 und 90 ein Tor. Comos Fitnesswerte sind top, sie laufen im Schnitt 113 Kilometer pro Partie – vier mehr als Inter. Wer hier die Lunge behält, trägt den Pokal nicht nur im Kopf.
Am Ende zählt ein Satz in Inzaghis interner Ansprache: „Wenn wir diesen Pokal nicht holen, war die Saison gescheitert.“ Fabregas hingegen sagt seinen Spielern: „Wenn wir ins Finale kommen, glauben wir an alles.“ Zwischen diesen beiden Sätzen wird der Boden des Stadio Sinigaglia beben – und einer muss am Dienstagabend lügen.
