Leipzig zerreißt den kader: klubikone krzikalla fliegt, bombac schwebt

Der SC DHfK Leipzig baut nicht um – er räumt gnadenlos auf. Mitten im Abstiegskampf kündigt der Klub den Abschied von Lucas Krzikalla an, 16 Jahre Herzblut, 303 Bundesliga-Tore. Eine Trennung, die in der Halle wie ein Schlag ins Gesicht kommt.

Domenico Ebner wechselt bereits im Sommer zu TBV Lemgo, Ahmed Khairi sucht ein neues Zuhause. Damit stehen drei fixe Abgänge, doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Hinter den Kulissen schwirren weitere Namen: Dean Bombac, Matej Klima, Franz Semper – alles Leistungsträger, deren Verträge zwar laufen, deren Bereitschaft für Liga 2 aber offiziell noch nicht unterschrieben ist.

Verträge bis 2027, aber keine garantie für den klassenerhalt

Adam Lönn und Tomas Piroch besitzen Papier bis 2027, dennoch halten sich Gerüchte hartnäckig, dass die beiden Rückraum-Schläger im Falle des Abstiegs aussteigen könnten. Die Klauseln sind geheim, die Stimmung bleibt angespannt. „Wir planen langfristig, aber wir müssen auch kurzfristig überleben“, sagt Sportdirektor Philipp Weber, ohne Details zu nennen.

Als Reaktion präsentiert Leipzig zwei Zugänge, die eher Notnagel als Glanzlichter sind: Tim Hertzfeld kommt fest vom Drittliga-Aufsteiger Dessau-Roßlauer HV 06, Anadin Suljakovic übernimmt den Kasten von Ebner. Beide kennen die Halle, beide müssen sofort liefern. „Wir vertrauen auf junge Energie und Lokalmatador-Power“, so Trainer Frank Carstens, dessen Vertrag ebenfalls bis 2027 läuft – in Liga 1 oder 2.

Die generationenfrage: peter und voß übernehmen das zepter

Die generationenfrage: peter und voß übernehmen das zepter

Mit Krzikalla verschwindet die letzte Konstante der Aufstiegsjahre. Staffan Peter und Anton Voß, 20 und 18 Jahre alt, sollen die Außenbahn neu besetzen. Ihre Verträge laufen bis 2028, sie gelten als Zukunft – doch Zukunft klingt in Leipzig momentan nach einem frommen Wunsch. Ohne Erfahrung droht ein radikaler Generationswechsel, der die sächsische Traditionsmarke weiter schwächt.

Simon Ernst, William Bogojevic, Luka Rogan, Blaer Hinriksson – allesamt Verträge auslaufend, allesamt noch ohne Entscheidung. Die interne Deadline tickt, denn die Planung für die Vorbereitung startet bereits im Mai. Wer nicht bis dahin unterschreibt, fliegt aus dem Kalkül. Die Botschaft ist klar: Wer nicht mitzieht, zieht sich aus.

Die Tabelle lügt nicht: Leipzig steht auf einem Abstiegsplatz, die Tordifferenz ist die zweitschlechteste der Liga. Jetzt also der radikale Schnitt – nicht aus Stärke, sondern aus reiner Not. Der Mythos vom sozialistischen Handball-Mekka bekommt Risse, die tiefer gehen als jedes Spieljahr. Wenn der Abstieg kommt, droht dem Klumpliga-Dino eine Eskalation, die weit über Sport hinausreicht: Imageverlust, Sponsorenausstieg, Strukturbruch.

Die Frage ist nicht mehr, ob der SC DHfK runter muss. Die Frage ist, ob er nach dem Fall wieder hochkommt. Die Antwort liegt in den nächsten zehn Wochen – und in den Köpfen jener Spieler, die jetzt noch zögern. Leipzig spielt nicht nur um Punkte, sondern um seine Identität. Am Ende zählt nur eins: Überleben statt Mythos.