Atik wirft den fcm-anzug in den ring: „abstieg ist für mich tabu“

Baris Atik redet nicht lange rum. „Brust raus, wir haben nichts zu verlieren“, donnert der Kapitän des 1. FC Magdeburg in den Katakomben des MDCC-Arenas. Dahinter steckt keine Gala-Show, sondern blankes Überleben. Der FCM ist Letzter, hat sechs der letzten acht Spiele verloren und kassierte dabei 21 Gegentore – Statistiken, die selbst Optimisten erfrieren lassen.

Atik will keine streicheleinheiten mehr

Der 31-Jährige wirkt wie ein Boxer, der vor dem Gong noch einmal die Ecke poliert. „Es bringt nichts, alle zu streicheln. Die Spiele werden weniger, die Fehler bleiben die gleichen“, sagt er und schlägt mit flacher Hand auf das Mikro. Mit demselben Gestus verbannte er das Wort „Abstieg“ aus dem Mannschaftsquartier. „Für mich ist es tabu. Punkt.“

Am Sonntag geht’s nach Münster – genau dorthin, wo der FCM vor einem Jahr mit 0:5 entzaubert wurde und die Aufstiegsträume zerplatzten. Damals war Atik dabei, heute will er Revanche. Die Preußen stehen nach dem 0:6-Debakel in Dresden unter neuer Führung, Co-Trainer Kieran Schulze-Marmeling übernahm das Ruder. „Jeder hat noch eine Rechnung offen“, knurrt Atik. Keine Rachefantasien, sondern kalte Selbstverpflichtung.

Manifest statt mannschaftsbus

Manifest statt mannschaftsbus

Magdeburg dominiert die Ballbesitz- und Schussstatistiken – und dennoch ist das Nettoergebnis ein Minusgeschäft. Die Defensive ist die drittschwächste der Liga, Aluminium und Latten klingeln öfter als der Glockenmann von der Domplatzkirche. Atik setzt deshalb auf mentale Umschaltung. „Ich habe der Mannschaft gesagt: Wir müssen uns das manifestieren. Wer im Kopf den Sieg sieht, holt ihn auch.“ Psychologen streiten über Manifesting – Atik lacht das weg. „Wissenschaft hin oder her, Punkte zählen.“

Die Kabine hinter ihm sei „heiß, den Bock umzustoßen“. Das klingt nach Klischee-Katalog, doch wer die Trainingseinheit am Vormittag gesehen hat, spürt: Die Intensität ist kein Lippenbekenntnis. Sprintreihen, Zweikämpfe, anschließend extra Schusstraining – Co-Trainer Christian Neidhart feuert jeden Ball hoch, als ginge es ums Finale im Pokal. Atik steht mittendrin, schreit Befehle, zieht nach verpatzten Flanken selbst die Grätsche.

Der countdown läuft: acht spiele, ein leben

Der countdown läuft: acht spiele, ein leben

Die Liga schrumpft auf acht Finale. Für Magdeburg geht es ums nackte Existieren, für Atik um die Legende. Bereits jetzt ist er dienstältester Feldspieler, die Fans nennen ihn „Capitano di Berg“. Eine Niederlage in Münster würde den Abstiegsgraben auf drei Punkte verbreitern – zu viel, um noch Luft nach oben zu lassen. „Drei Punkte für den FCM ist mir scheißegal, wie’s aussieht“, sagt er. „Hauptsache, wir fahren nicht mit leeren Händen heim.“

Am Sonntag um 13:30 Uhr wird der Schiri pfeifen, Atik wird in den ersten Zweikampf stürmen. Dann zählt kein Manifest, kein Satz, keine Statistik – nur das Runde muss ins Eckige. Und wenn es klappt, wird in Magdeburg nicht gestrahlt, sondern geatmet. Tief. Durch. Weiter.